Nie war Freundschaft populärer als heute. Sie gilt als entscheidende Zutat für ein gutes und glückliches Leben. Viele haben auch viele Freunde - jedoch will sich das versprochene Glück nicht so recht einstellen. Woran liegt das?
Björn Vedder verknüpft in seiner Zeitdiagnose der Freundschaft philosophische Überlegungen mit der Analyse von popkulturellem Material sowie literarischen Klassikern. Er zeigt, was Freundschaft heute bedeuten, wie sie (auch zu uns selbst) gelingen kann und warum Facebook-Freunde echte Freunde sind.
Dabei nimmt er die pessimistischen Kulturkritiken der Gegenwart ernst, teilt deren Defätismus aber nicht, sondern zeigt Wege aus den Pathologien der modernen Freundschaft auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2017
Dass Björn Vedder in seiner essayistischen Studie "Über Freundschaft in Zeiten von Facebook" nicht in die Gesänge vom Ende der "Innigkeit" in menschlichen Beziehungen einstimmt, rechnet ihm Rezensent Björn Hayer hoch an. Zudem kann ihm der Autor im Rückgriff auf Eva Illouz' Analyse der modernen Liebe plausibel darlegen, dass moderne Freundschaften heute primär als "Nutzverhältnisse" verstanden werden, die vor allem der Bedürfnisbefriedigung dienen. Wenn Vedder im zweiten Teil seiner Studie mit recht wahllosen Beispielen aus Literatur und Philosophie gegen Egoismus und Narzissmus anschreibt, wird es dem Kritiker allerdings etwas zu "apodiktisch" und simpel. Mit Blick auf die Essays von Norbert Bolz, Byung-Chul Han oder Robert Simanowski erfährt Hayer hier auch nicht allzu viel Neues über digitale Beziehungskultur, einige interessante Einsichten - etwa in die "Notwendigkeit von gemeinsamen Narrativen" unter Freunden in Zeiten der medialen Überkommunikation - verdankt er diesem Buch aber trotzdem.
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