Schleifen
Roman

Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN
9783552075887
Gebunden, 416 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache."Schleifen" ist ein Roman über die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben. Immer wieder stellt sich bei Elias Hirschl das schier Unglaubliche als wahr heraus, und der Rest ist extrem gut erfunden.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.04.2026
Als eine humorvolle, schon aber auch intellektuelle Lektüre empfiehlt Rezensent Fokke Joel den absurd angehauchten Roman von Elias Hirschl. Übergeordnet geht es dabei um Sprachphilosophie, auf Hönandlungsebene um die junge Franziska Denk, die als Tochter zweier fiktiver Sprachforscher von der bloßen wörtlichen Erwähnung einer Krankheit diese Krankheit bekommt. Ein vom Vater erforschtes Volk auf einer Pazifikinsel hat außerdem die Fähigkeit, mit bloßen Worten Werkzeuge zu erschaffen, und die Eltern gründen schließlich eine Art Sekte, die an eine Universalsprache und schließlich an die komplette Überwindung des Sprachlichen glaubt. Das kann dann durchaus witzig werden, etwa, wenn die Sekte neue Mitglieder durch bloßes Schweigen zu akquirieren versucht, vermittelt Joel und lobt den sich hierdurch einstellenden Effekt der Lockerung im "Glauben an die Herrschaft des Diskurses". Aber es geht eben auch um echte Philosophen wie Wittgenstein oder den Mathematiker Kurt Gödel, um die titelgebende Möbiusschleife und das Verhältnis von Dingen und ihrer Repräsentation. Eine spannende Lektüre für alle, die Lust haben mitzudenken, schließt Joel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2026
Rezensent Ulrich Steinmetzger sieht Elias Hirschls Roman "Schleifen" als außergewöhnlich originell und weit über das literarische Mittelmaß hinausragend an. Das Buch erzählt von dem Mathematiker Otto Mandl und der sprachbesessenen Franziska Denk, deren Beziehung sich zwischen Psychiatrie, wissenschaftlichen Ideen und politischer Radikalisierung entfaltet, bis Otto am Ende orientierungslos in Tokio landet. Die Sprach-Obsession von Franziska geht so weit, dass die reine Erwähnung einer Krankheit genügt, um sie glauben zu lassen, sich mit ihr identifiziert zu haben, lesen wir. Rezensent Steinmetzger hebt besonders Hirschls gedankenreichen Witz, die präzise, mutige Sprache und das Zusammenspiel von realen und fiktiven Figuren und Theorien hervor, das von der Gruppe 47 über Wittgenstein bis zu absurden Erfindungen reicht. Er betont, dass der Roman trotz Stofffülle nicht überfordert, sondern sich dank Esprit, Ideenreichtum und lesenswerter Fußnoten hervorragend liest. Ein "Feuerwerk unverbrauchter Ideen", das mit "unbändig gedankenreichem Witz" durch vermintes Gelände führt, so der begeisterte Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2026
Elias Hirschls neuer Roman erinnert den Rezensenten Bernd Noack ein wenig an die mathematische Figur der Möbiusschleife, bei der man auch nie weiß, wo oben und unten ist. Und zwar nicht nur wegen des Titels, sondern vor allem in Bezug auf die Möglichkeiten der Sprache, die hier ausgelotet werden. Dass es dabei keine ganz zusammenhängende Handlung gibt, ist Noack zufolge völlig egal, so anregend ist es, sich auf die Gedankenspiele Hirschls einzulassen. So kommt beispielsweise eine Gruppe von "Nonverbalisten" vor, die eine nichtsprachliche Sprache erschaffen wollen, es geht natürlich auch um Wittgenstein, aber auch um die Objektsprache, bei der man keine Worte benutzt, sondern zur Kommunikation die jeweiligen Gegenstände in den Mund nimmt und vor dem Gesprächspartner wieder ausspuckt, lesen wir. Besonders begeistert den Kritiker aber eine Szene, in der Hirschl schildert, wie Kafka von seinem Vater verklagt wird. Der Plagiats-Vorwurf des Vaters macht Kafka aber gar nicht so unglücklich, weil das immerhin bedeutet, dass der Vater seine Bücher gelesen hat. Noack ist anzumerken, wie viel Freude er an diesem "Wunderwerk der Verwirrung" hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.02.2026
Rezensentin Judith von Sternburg kann Elias Hirschls "grandioses" Sprachspiel nur schwer aus der Hand legen. So vieles gibt es hier zu entdecken, dass sie fürchtet, vielleicht etwas übersehen zu haben, etwas das Marcel Reich-Ranicki vielleicht entdeckt hätte? Wie der in Hirschls Erzählung eine Erzählung in der Erzählung entdeckt? Der berühmte Literaturkritiker ist nur einer von vielen, die der 1994 geborene Autor hier auftreten und eine Volte nach der anderen drehen lässt. Als seine Haupt-Denk-Figuren allerdings ernennt er Franziska Denk und Otto Mandl, lesen wir. Sie sind ganz und gar literarische Wesen. Denk zum Beispiel hat eine äußerst spezielle Krankheit: Für sie, so drückt es Hirschl aus, ist "jedes Wort ein Symptom", Signifikant und Signifikat kann sie also quasi nicht unterscheiden, wie das eben sein kann in der Literatur. Und das ist nur eine von unzähligen genialen Ideen, mit denen Hirschl die Sprache auseinander nimmt, um die Vergeblichkeit des Versuches, sich sprachlich zu verständigen, auszudrücken: Wundervoll, witzig, radikal und am Ende "demütig" - das ist "Schleifen", so die begeisterte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2026
Die wohltuend "sperrige Antithese zum modernen Erfolgsschriftsteller" nennt Rezensent Bernhard Heckler den österreichischen Wortkünstler Elias Hirschl nach einem Treffen zum Interview in der aus diesem Treffen hervorgegangenen Rezension. Dessen aktuellen Roman betitelt er als ein "mindestens fünfdimensionales, psychedelisches Wahnsinnswerk". Die Liebesgeschichte, die der Verlag ankündigt, existiert zwar darin, spielt jedoch nicht die tragende Rolle. Und das muss sie auch gar nicht laut Heckler, denn eigentlich, erklärt der Autor selbst, gehe es um Sprachphilosophie, um das vergebliche Streben nach einer allgemeingültigen Sprache. Und dieses wird verhandelt unter anderem, vielem anderem, anhand einer Gruppe von "Nonverbalisten" die unter Zuhilfenahme von Medikamenten die Sprache abschaffen wollen. Auf Konventionen wie kohärente Figurenpsychologie oder einen stringenten Plot verzichtet Hirschl, und kann es sich leisten angesichts seines nicht zu bändigenden Sprachwitzes und Ideenreichtums, so Heckler. Mindestens fünf originelle Ideen pro Seite zählt der Rezensent, dazu Anspielungen und Verweise en masse. Derart opulent, derart überschießend ist dieser Roman, dass der Kritiker dahinter einen Autor erahnt, der sein ohne Frage enormes Talent dringend unter Beweis stellen will. Und er schafft es auch, gibt der beeindruckte Rezensent zu.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 30.01.2026
Rezensent Maximilian Mengeringhaus lässt sich gern auf das Verwirrspiel ein, das der österreichische Schriftsteller Elias Hirschl in seinem neuen Roman treibt. Auf den Spuren Borges' wandelnd folgt er Hirschl durch eine 1936 einsetzende Handlung, die irrwitzige Krankheiten, eine in einer Sekte mündende Freundschaft und Medikamente, die Begriffe aus dem Bewusstsein von Menschen tilgen, beinhaltet. Aber um einen Plot geht es Hirschl keineswegs, vielmer treibt er seine Spielereien auf der Metaebene, bemerkt der Kritiker: Doppelgänger tauchen ebenso auf wie unzählige Handlungsebenen, immer wieder unterläuft Hirschl die Regeln der Semantik oder lässt seine Leser durch ein "vielfach ausgefaltetes Möbiusband" laufen. Bei so viel Witz und Risikofreude lässt sich der Kritiker trotz einiger Längen gern an die "Grenze zum absoluten Mindfuck" führen.