Bodo Kirchhoff

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt

Roman
Cover: Seit er sein Leben mit einem Tier teilt
dtv, München 2024
ISBN 9783423283571
Gebunden, 384 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Vier Tage vor dem Höhepunkt des Sommers, dort, wo sich Louis Arthur Schongauer, einst düsterer Deutscher in Hollywood-Filmen, nach dem Tod seiner Frau zurückgezogen hat. Jetzt will er nur noch mit seiner Hündin leben, inmitten alter Oliven oberhalb des Gardasees. Doch dann strandet eine Reisebloggerin beim Wenden in seiner Zufahrt, und am nächsten Tag erwartet er eine Autorin, die ihn mit einem Porträt aus der Vergessenheit holen will: zwei Frauen mit Gespür für die Wunden in seinem Leben. Umso wichtiger wird ihm nun sein Tier, für das es nur ein Hier und Jetzt gibt …

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.02.2024

Rezensent Hans von Trotha schätzt die kammerspielartige Konsequenz bei der Entfaltung der Motive in Bodo Kirchhoffs Roman. Wenn der Text nah bei Motiven und Figuren bleibt, einem in die Jahre gekommenen Schauspieler und den Frauen in seinem Leben (zwei aus der Gegenwart, zwei tote aus der Vergangenheit, die aber immer noch präsent sind), kann ihn das Buch überzeugen. Auch die kraftvollen Schilderungen von Landschaft und Wetter des Gardasees, die das Seelenleben der Figuren spiegeln, können den Kritiker durchaus beeindrucken. Der Ton durchkomponiert und kompromisslos, staunt Trotha. Nur ab und zu übertrapaziert der Autor seine Figurenkonstellation und die Dramaturgie, findet der Rezensent. Durchaus reizvoll ist die Anlehnung an den "großen Naturroman", der die menschliche Existenz vor der Gewalt der Natur zuweilen unbedeutend wirken lässt, schließt Trotha. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.02.2024

Also vom Setting her ist dieser Roman eindeutig eine "Altherrenfantasie", gibt Rezensent Adam Soboczynski zu: Ein alternder Schauspieler, in Hollywood immer nur als fieser Nazideutscher eingesetzt und um seine Frau trauernd, lernt in seinem Rückzugsort am Gardasee gleich nochmal drei Frauen kennen. Aber das funktioniert, so ein verdatterter - ein ehrlich verdatterter? - Soboczynski. Es ist einerseits die Prosa, die ihn überzeugt: nicht ein Adjektiv zu viel auf 400 Seiten. Zum andern ist es die Reflektiertheit, so beteuert der Rezensent, mit der Kirchhoff das Kammerspiel in Szene setzt und in der die Figuren des Romans "dem Plot nach und nach gehorchen". Doch wirklich, spannungsreich und meisterhaft sei das, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2024

Auch in Bodo Kirchhoffs neuem Buch geht es wieder um das Leiden an der Sexualität, legt Rezensent Hilmar Klute dar. Im Zentrum steht diesmal, ist zu lesen, Louis Arthur Schongauer, ein ehemaliger Filmschauspieler, spezialisiert auf Nazirollen, der nun in einem Landhaus am Gardasee wohnt, gemeinsam mit einer Hündin. Es tauchen dann, zeichnet Klute die Erzählung nach, zwei Frauen auf, eine junge Bloggerin und eine Journalistin, die ihn porträtieren will. Geschickt spielt Kirchhoffs Prosa mit den Erwartungen, die sie erzeugt, so der Rezensent, außerdem geht es im Buch um zwei ältere, tragisch verlaufene Beziehungen Schongauers und auch um das Herzleiden der Hauptfigur. Ziemlich viel Tragik ist in diesem Leben angehäuft, meint Klute, auch die Journalistin hat Eheprobleme und eine Fehlgeburt hinter sich. Gleichwohl gibt sich der Rezensent gerne dem Sog des Kirchhoff'schen Erzählens hin, das auf eindringliche Weise um Intimität und Traurigkeit kreist.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.01.2024

Rezensentin Beate Tröger wünscht sich während der Lektüre von Bodo Kirchhoffs neuem Roman, die zwei Frauenfiguren, denen diese Erzählung gewissermaßen geschuldet ist, wären bloß nicht aufgetaucht und hätten den Erzähler zum Erzählen gebracht. Ihr Auftauchen, ihr Interesse nämlich ist es, das die Lebensgeister des alternden Schauspielers in Kirchhoffs Geschichte wieder weckt und ihn aus seiner einsamen Zweisamkeit mit seiner Hündin Ascha lockt, so Tröger. All die schwergewichtigen literarischen Anspielungen; die gar nicht mal so witzigen, dafür umso prätentiöseren Eingeweihten-Scherze; die Frauenfiguren, die so reden, wie manche Männer sie wohl gern reden lassen würden; die ganze Holzhammer-Symbolik und die mehr als fragwürdige Dramaturgie - darauf hätte Tröger auch gut verzichten können, wenn man sie recht versteht. Da hilft auch die grundsätzliche Sympathie, die die Rezensentin einmal für Kirchhoff und seine Literatur hatte, nicht weiter. Schade!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.01.2024

Rezensentin Judith von Sternburg ist ganz hingerissen von diesem neuen Roman Bodo Kirchhoffs, aus dessen Inhalt sie ausführlich referiert: Ein alternder Mann, der die ein oder andere Ähnlichkeit mit dem Autor hat, lebt alleine, ziemlich vereinsamt, nur sein Hund leistet ihm Gesellschaft. Jetzt möchte eine Journalistin ihn porträtieren, dazu kommen plötzlich noch eine Reisebloggerin und ihre Mutter, die Gesellschaft der drei Frauen regt ihn an, sich über einiges noch einmal Gedanken zu machen - etwa zu den Tiefpunkten seines Lebens, zu denen sie ihn befragen. In seiner Lebensnähe ein außerordentlich rührendes, aber auch desillusionierendes und vielschichtiges Buch, schließt Sternburg.