Aus dem Englischen von Bernd Rullköter und Cäcilie Plieninger. Die englische Publizistin hat für ihre Biografie erstmals zahlreiche unbekannte Dokumente, darunter Briefe Anne Franks und die unpublizierten Memoiren ihres Vaters, auswerten können. Sie kann neue Beweise darüber vorlegen, wer Anne Frank verriet. Und sie kann die Geschichte der Anne Frank dort weitererzählen, wo das Tagebuch abbricht: Die letzten Monate bis zu ihrem Tod in Bergen-Belsen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2000
Neben kommentierten Tagebuchausgaben und einer 1998 von Melissa Müller vorgelegten Anne-Frank-Biografie gibt es nun eine weitere Biografie der Engländerin Carol Ann Lee, die Gabriele Anderl mit Sympathie, wenn auch nicht völlig ohne Kritikpunkte begutachtet. Als interessantesten Abschnitt der Leeschen Biografie schildert Anderl die Zeit im holländischen Exil, bevor sich die Familie Frank verstecken musste. Damals soll Anne Frank ein verwöhntes Gör der jüdischen Mittelschicht gewesen sein, dessen innere Wandlung und vorzeitige Reife erst in den zwei Jahren des Verstecks vor sich gegangen sein muss. Weitere interessante Passagen betreffen die Beziehung zur Mutter und das Maß an Selbstreflexion in der Pubertätszeit. Unbefriedigend findet die Rezensentin die Tatsache, dass die Autorin zwar darauf verweist, viele bislang unbekannte Dokumente verarbeitet zu haben, aber nirgends mitteilt, welche das sind. Als überflüssig empfindet Anderl auch die vielen historischen Exkurse, die ihr zudem wissenschaftlich ungenau erscheinen. Als Einstiegslektüre dennoch empfohlen.
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