Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby und Herbert Post. Mit einer Auswahl von Douglas' Gedichten, aus dem Englischen übertragen von Christa Schuenke. Im Sommer 1891 lernte Bosie, der damals 21 Jahre alt und Student war, den 16 Jahre älteren Oscar Wilde kennen, der gerade mit "Lady Windermeres Fächer" einen großen Theatererfolg feierte. Sie fühlten sich beide zueinander hingezogen, und in den folgenden drei Jahren verbrachte Douglas mehr Zeit in der Gesellschaft Wildes als am Magdalen College in Oxford, so dass er relegiert wurde. Sie bezogen eine Suite im teuren Savoy-Hotel, reisten gemeinsam nach Frankreich und Algier, wo sie mit Schriftstellern wie Paul Verlaine und Andre Gide diskutierten. Caspar Wintermans hat ein bewegtes Künstlerleben rekonstruiert, das bisher allzu ausschließlich im Zusammenhang mit dem berühmten Oscar-Wilde-Prozess gesehen wurde...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2001
Für Rezensent Tobias Döring fällt Caspar Wintermanns Band über Lord Alfred Douglas, einem favorisierten Liebhaber Oscar Wildes, unter das Genre "Rehabilitationsbiographik". Ein Skandal initiiert durch Douglas' Vater war es, der Wilde ins Zuchthaus brachte und dem er zwei Jahre Zwangsarbeit zu verdanken hatte, betont Döring. Caspermann versuche das gängige Bild von Douglas zu revidieren und ihm endlich die "Bewunderung" und "Sympathie" zu verschaffen, die Douglas nach Meinung Caspermanns verdient habe. Ein verfrühter Nachruf aus dem Jahr 1921 bezeichnete ihn als Nichtsnutz, als exzentrisch und degeneriert, an den man sich eher wegen der Skandale als wegen literarischer Verdienste erinnern wird, so Döring. Diesen Nachruf hält der Kritiker jedoch für gültiger als das Bild, das Caspermann mit seinem "literarischen Rettungsversuch" vermitteln wolle. Im Anhang bietet der Band eine Auswahl von Gedichten in deutschsprachiger Erstübersetzung, doch Döring ist der Meinung, die Verse wirken "kaum betörender als parfümierte Kreuzsticharbeiten": Wintermann könne aus Douglas einfach keinen Dichter machen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2001
Der Ehre zu viel, der Ehrenrettung. Oder er hat es einfach bloß etwas ungeschickt angestellt, der Autor. Dieser Meinung ist jedenfalls Stephan Maus. Nicht mit Psychologie und analytischem Geschick, wie sich Maus das vorgestellt hätte, sondern mit betretener Mine tritt der Autor an und mit großem Herzen. Und schrammt dabei offenbar am Charakter des Lords sowie auch an dessen literarischem Talent vorbei. Ach je, und den Ton trifft er auch nicht! Zwischen Betulichkeit und der Flapsigkeit der Yellow Press geht das hin und her. Dass Maus sich dennoch für das Buch erwärmen kann, liegt einzig daran, dass "Bosies" Leben "einfach zu interessant" war.
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