Es ist soweit: Nie wieder werden wir am Tresen stehen und das entscheidende Argument nicht finden: wer war das doch gleich, der im Jahrhundertspiel (WM-Halbfinale 1970, Deutschland-Italien) den 2:2-Ausgleich für Italien schoss? Was versteht man eigentlich unter einem abgefälschten Ball? Ja, kommen Sie jetzt nicht und erzählen, na, der knallt irgendwie an einen Spieler - das möchte ich schon genauer wissen. Es geht um das Zweitschönste auf der Welt, das Fußballspiel. Nicht nur das - es geht detailliert und kenntnisreich und voller Wortwitz um das Fußballspiel. Es geht um Zahlen, Fakten, Pfiffe und Fouls oder um so wundervolle Wortschöpfungen wie Auswärtsschwäche, Regenschlacht oder Hätschelprofi. Es geht um alles - mit dem "Duden" für jeden Fußballfan, dem "Lexikon der Fußballmythen".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2000
Als Fußballfan sei man naturgemäß ein Chauvi, witzelt der Rezensent, als Lexikonleser aber auch Literat. Und so wirft es ihn um, dass Friedrich Dürrenmatt zum Thema Fußball geschrieben haben soll, dass er nach einer Niederlage der Grasshopers mindestens eine Woche lang nicht mehr schreiben konnte. Zufallsfund beim Stöbern im Register. Ansonsten gehe ihm der "immerlustige Jargon des aufgeklärten Fussballintellektuellen" auf die Nerven - der Autor sei Sportredakteur bei der FAZ, werden wir von "r.r." aufgeklärt. Dennoch habe Eichler viel Wissenswertes und Interessantes, quer durch die Zeiten und Ligen zusammengetragen, meint "r.r.". Manches klingt ihm etwas überzogen, unglaubhaft geradezu, sieht für ihn mehr nach "aktiver Mythenbildung" denn nach Mythenforschung aus. Aber ein Mythos würde sich eh einer Einordnung entziehen, schrieb "r.r." eingangs, und somit sei ein Lexikon ein Widerspruch in sich. Gut gekalauert, so sein abschließendes Urteil.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2000
Der Sportredakteur bei der FAZ hat hier ein "unterhaltsames" und "unprätentiöses" Buch vorgelegt, findet Rezensent Edo Reents, das auch denen, die meinen, alles über Fußball zu wissen, noch Neues vermitteln kann. Nicht nur die Geschichte des "linken Fußballs" und ihrer Helden (Günther Netzer) ist hier verzeichnet, und zwar ohne Mythisierung. Sondern auch sonst wird in dieser "profunden, stilistisch glänzenden Mischung aus Anekdoten und Geschichtsunterricht" einiges vermittelt, was sich auf nationaler und internationaler Bühne an Spielern und ihren Künsten begeben hat. Ein tröstliches Buch, das man "gerade in diesen Tagen" (der Europameisterschaft) nicht zu lesen aufhören kann, findet Edo Reents.
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