Chuck Palahniuk

Die Kolonie

Roman
Cover: Die Kolonie
Manhattan Verlag, München 2006
ISBN 9783442546091
Gebunden, 476 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz. "Dieser Ort war als Refugium für Schriftsteller gedacht. Eine abgelegene Schriftstellerkolonie, in der wir arbeiten konnten, geleitet von einem alten, dem Tode nahen Mann namens Whittier. Und wir, seine begabten Schüler, sollten hier Gedichte schreiben. Schöne Gedichte. Drei Monate lang fernab der gewöhnlichen Welt." Siebzehn Autoren folgen der Einladung von Mr. Whittier, zwölf Wochen lang in einer Künstlerkolonie zu leben und in dieser Oase der Kreativität ein Meisterwerk zu verfassen. Doch was wie das Paradies klingt, entwickelt sich schnell zu einer wahren Hölle: Die Kolonie ist ein altes Filmtheater ohne fließend Wasser, ohne Heizung oder Elektrizität. Auch Lebensmittel sind nicht ausreichend vorhanden. Und es gibt keine Fluchtmöglichkeit, da Mr. Whittier jeden Ausgang zumauern lässt, sobald die Schriftsteller eingetroffen sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.12.2006

Schwer verdaulich fand Rezensentin Katharina Granzin diesen Roman, dessen "drastische Alptraumszenarien" ihr ziemlich zugesetzt haben. Chuck Palahniuk könne so gut schreiben, dass man beim Lesen konstant einen Würgereiz verspüre, schreibt sie. Am Anfang klang es für sie noch ganz nach einer spannenden Versuchsanordnung: Siebzehn Personen mit Problembiografien werden von einem Unbekannten eingeladen, sich drei Monate in Klausur zu begeben, um die Schrecken ihres Lebens aufzuschreiben. Aber schnell wird aus dem Projekt eine Mischung aus sadomasochistischer Hölle und selbstverwaltetetem Autoren-KZ. Die sich gegenseitig überbietenden Horrorszenarien des Buches jedoch verderben der Rezensentin bald den Appetit, das "konstante Erzählen jenseits der Ekelschwelle" schließlich führt dazu, dass sie das Buch nicht mal zu Ende lesen mag.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Ein ausgesprochen finsteres Vergnügen scheint die Lektüre von Chuck Palahniuks neuem Buch für Rezensent Georg Dietz gewesen zu sein. Das liegt nicht nur an dem "besonders beklemmenden Ensemble", dass sich Palahniuk für seine in diesem Roman unternommene "Erkundung der Nachtseite des amerikanischen Strebens" nach Happiness zusammen gesucht hat. Sondern auch daran, dass für den Rezensenten eigentlich jeder der grausamen und schönen Sätze Satz dieses "Stilisten des Schreckens" ein Schnitt "in das Fleisch Amerikas" sei. Es geht, wie man liest, um Abgründe, die eine "Gruppe von 17 Unglücklichen" durchlebt, die fern der Zivilisation an einem dreimonatigen Schriftsteller-Workshop teilnimmt. Dieser Workshop entwickelt sich der Beschreibung des Rezensenten zufolge zu einem ziemlichen Höllentrip, in dessen Verlauf der mysteriöse Gastgeber der Veranstaltung die Teilnehmer zwingt, sich gegenseitig zu verstümmeln, zu töten und zu kannibalisieren. Dietz blickt manchmal leicht fassungslos auf das "sehr Dunkle", das er in diesem Autor arbeiten spürt. Am Ende sieht er die Literatur für Palahniuk zu einer Art Exorzismus werden.

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