Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Ein hochaktueller Roman über die fließende Grenze zwischen Mensch und Affe, über phantasievolle Kommunikationsformen, über die Sehnsucht, irgendwo dazuzugehören und über den unbedingten Willen zu überleben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2013
Affen sind in der Weltliteratur keine Seltenheit, berichtet Rezensent Alexander Kosenina, aber im Gegensatz etwa zu E.T.A. Hoffmanns Milo oder Kafkas Rotpeter ist Looee, der Protagonist in Colin McAdams drittem Roman "Eine schöne Wahrheit" kein fantastisches, übertierisches Wesen, so der Kritiker. Vielmehr liest er hier eine auf Forschungsergebnissen basierende Entwicklungsgeschichte, die insbesondere das Verhältnis zwischen Mensch und Tier darstellt. Und so leidet er in diesem ebenso schönen wie "bitteren" Roman mit Looee, der zunächst von einem kinderlosen Ehepaar adoptiert wird, von der Mutter sorgfältig eingekleidet wird und den Vater zum Angeln begleitet, bis er nach einem lebensgefährlichen Übergriff in der Pubertät für Jahrzehnte in ein Labor abgeschoben wird, in dem die Tiere unter anderem mit HIV-Erregern infiziert werden. Der Rezensent erhält in diesem gelungen übersetzten Roman nicht nur erstaunliche biologische Informationen, sondern lobt auch McAdams Vermögen, auf Beobachtungen basierende psychologische Einblicke in das Innenleben des Affens zu gewähren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013
In seinem dritten Roman "Eine schöne Wahrheit" wagt der kanadische Schriftsteller Colin McAdam ein mutiges und gelungenes Experiment, berichtet Rezensent Felix Stephan. McAdams Versuch, einem Schimpansen eine Sprache zu geben, die ohne die menschliche Interpretation des Gefühlslebens auskommt, ist allemal die - gelegentlich etwas "mühevolle" - Lektüre wert, so Stephan. Und so folgt er gebannt dem Schimpansen Looee, der als Baby von dem kinderlosen Ehepaar Walt and Judy aufgenommen wird und bald darauf für anderthalb Jahrzehnte in einem Versuchslabor pharmazeutischen Versuchen ausgesetzt wird. Tief beeindruckt liest der Kritiker, wie der Erzähler auch bei seinen menschlichen Protagonisten versucht, nur das zu berichten, was zu sehen ist - und so lernt Stephan hier, wie sehr das soziale Leben durch die Interpretation von Körperhaltungen, Blicken und Untertönen geprägt ist. Sein Urteil: Ein lesenswertes Buch, das nicht zuletzt die Beobachtungsgabe schult.
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