Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Die aus besseren Kreisen stammende Gertrude Coppard heiratet den Bergmann Walter Morel, in den sie sich bei einer Weihnachtsfeier verliebt hat. Ein erster Sohn, William, wird geboren, dann die Tochter Annie, schließlich, als die Liebe schon erkaltet ist und die Eheleute nur noch Verachtung füreinander empfinden, Paul. Gertrude wendet sich nun ganz ihren Söhnen zu. William, der eine vielversprechende Karriere in London begonnen hat, stirbt früh. Umso intensiver wird die Beziehung zu dem künstlerisch begabten Paul, den die Mutter mit ihrer erstickenden Liebe letztlich daran hindert, sein eigenes Glück zu finden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2011
Kenntnisreich erzählt Andreas Platthaus in seiner Rezension die nicht unkomplizierte Geschichte des Romans, der hier in der dritten deutschen Übersetzung erstmals komplett vorliegt. Frühere Übersetzungen basierten auf gekürzten Fassungen des Romans. Obwohl das Buch durchaus auch einige Schwächen offenbart, nennt Platthaus die Neuübersetzung einen "Segen". Besonders deutlich und eindringlich erscheinen ihm hier die Landschaftsschilderungen, die in ihrer starken Farblichkeit ein Außenbild der Seelenzustände zu liefern scheinen. Genüsslich zitiert Platthaus: "Aber die Wiese lag in gleißendem Sonnenschein gebadet und der Pfad war mit Juwelen bestreut..." Platthaus bewundert die komplizierte Psychologie des Romans, besonders in der Darstellung des Mutter-Sohn-Verhältnisses, begrüßt aber nebenbei auch, dass Lawrence ein "beinahe reportageartiges Porträt des Kohlereviers um Nottingham" gelinge. Der Roman steht für Platthaus zurecht im Schatten von "Lady Chatterleys Liebhaber", ist eine Entdeckung aber allemal wert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2011
Das Dilemma von Liebe und Sexualität lässt sich auch mit diesem Buch nicht lösen. Heinz Schlaffer macht uns da keine Hoffnung. Allerdings findet er in D. H. Lawrences Familienroman (in der deutschen Übersetzung zumal, die wieder dem Original folgt) immerhin schöne Worte und eine vorsichtige Beschreibung möglicher, die sexuelle Leidenschaft begleitender Gefühle und Gedanken. Verglichen mit dem offensiven Sex heutiger Texte, meint Schlaffer, ist das eine Menge. Sex bekommt also wieder ein Geheimnis. Darüber hinaus findet der Rezensent die wohl eindringlichste Darstellung des ödipalen Problems bei einem jungen Mann und eine eindrucksvolle Spiegelung der Kindheit und Jugend des Autors im Kohlekumpel-Milieu Mittelenglands.
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