Didier van Cauwelaert

Auf Seelenspitzen

Roman
Cover: Auf Seelenspitzen
Fretz und Wasmuth Verlag, München 2000
ISBN 9783502101109
gebunden, 286 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Doris Heinemann. Es ist fünf vor neun. Naïla schläft immer noch, und es wäre der absolute Horror, wenn Fabienne uns beide fände: nackt, ineinander verschlungen, sie so jung und ich tot. Ich weiß überhaupt nichts über das, was sich ereignen wird, und ich habe auch keinerlei Vorahnung. Nur vage Befürchtungen, ein Gefühl der Dringlichkeit. Ich klammere mich an den Anblick meines Körpers, an den Wohnwagen, an die Gegenwart. Ich flehe Naïla an, aufzuwachen, mich zu schütteln, meinen Puls zu fühlen, sich klarzumachen, was passiert ist. Vor allem keine Aufregung. Du bist nicht für mich verantwortlich. Ich liebe dich. Beseitige die Spuren deines Hierseins, die Überbleibsel unserer gemeinsamen Nacht, pass auf, dass dich niemand sieht und geh - bitte. Tu es für mich. Halt dich aus dem Drama heraus - ich rechne mit dem Schlimmsten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2000

Rezensent Thomas Laux scheint von dem Roman des Franzosen Cauwelaert etwas genervt zu sein. Zum Inhalt: Der plötzlich verstorbene Ich-Erzähler erhebt sich über seine sterblichen Überreste und begleitet aus der ungewohnten Vogelperspektive die Gefühle und Gedanken seiner Mitmenschen. Diese scheinen auch ohne ihn gut zurechtzukommen. Das Buch des Gouncourt-Preisträger (1996) hat nach Meinung von Laux offenbar ein Hauptmanko: ein ?allwissender Erzähler ?, der wie ein ?zu Ausfällen neigender Fußballtrainer? das Geschehen beobachtet und kommentiert, ohne direkt eingreifen zu können. Weniger Quasseln hätte dem Witz im Roman besser getan, so das Fazit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000

Als "Jenseitsgeplauder" bezeichnet Sacha Verna diesen aus dem Französischen übersetzten Roman. Der aus der Perspektive des bereits Verschiedenen vom Tod-Sein und aus seinem Leben berichtende Ich-Erzähler liefert, laut Verna, kaum mehr als Plaudereien: Da gibt es die trauernde Gattin, die bald einen anderen findet und eine zum Buddhismus bekehrte ältere Dame, die sich ihm als "Geistführerin" anbietet, dazu Kindheitserinnerungen und sowohl komische als auch tiefsinnige Sprüche aus dem Sein und Nichtsein in einer Kleinstadt. Hätte der Autor am Schluss dem Ganzen nicht noch ein "postmodernes Sahnehäubchen" verpasst, in dem er die Fiktionalität seines Protagonisten heraushebt, dem nur durch das Schreiben des Schreibers und das Lesen des Lesers Leben eingehaucht wird, wäre das alles nicht mehr als "leicht verdauliche Kost". Und eigentlich ist es das auch mit diesem eher "plumpen Zaubertrick" geblieben, befindet Verna.
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