Erzähl mir alles
Roman

Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630877495
Gebunden, 400 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst in Crosby, dem kleinen Küstenstädtchen in Maine. Vor ein paar Jahren ist Lucy Barton, erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier erwachsener Töchter, mit ihrem Ex-Mann William hierhergezogen. In ein abseits gelegenes Haus am Meer. Doch die beschauliche Ruhe in Crosby wird gestört, als eine alte Frau spurlos verschwindet. Und auch Lucys Welt gerät still und leise aus dem Lot. Auf den einsamen Spaziergängen mit Bob Burgess, ihrem alten Freund und Vertrauten, sprechen beide über ihr Leben und über das, was hätte sein können. Und dann ist da noch die legendäre Olive Kitteridge, die pensionierte Mathematiklehrerin, die jetzt in einem Altersheim am Stadtrand lebt und auch mit 90 Jahren nichts von ihrem rauen Charme verloren hat. Vorsichtig freunden sich die beiden Frauen an.
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.04.2026
Die Romane von Elizabeth Strout haben ein bisschen etwas von Vorabendserien, findet Rezensentin Angela Gutzeit, man trifft auch in ihrem neuesten Buch wieder auf alte Bekannte und dieselben Orte. Ihrer Hauptfigur Bob Burgess, Anwalt, konnte man schon im Band davor begegnen, eine ganz nette Figur, die nicht recht weiß, wie ihr geschieht, fasst Gutzeit zusammen. Das gilt ihr zufolge so ziemlich für alle Figuren: Sie alle schleppen ihr Päckchen zwischen Kindheitstrauma und Alkoholismus mit sich rum, für alle ist es das zentrale Motive, sich den anderen mitzuteilen. Das gilt auch für die Mathelehrerin Olive, das gilt für Lucy Barton, und für Bob, der lange Zeit glaubt, am Unfalltod seines Vaters Schuld zu sein, lesen wir. Wirkliche "Tiefenschärfe" entsteht dabei nicht, so die Kritikerin, zu sehr schwebt die Autorin einfach zwischen ihren Figuren hin und her, ohne sich tiefergreifend mit ihnen auseinanderzusetzen. Da sich am Ende vieles fügt, geht sie davon aus, dass diese Vorabendserie mit diesem Band zu Ende ist, wie sie schließt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2026
Rezensent Rainer Moritz preist den neuen Roman von Elizabeth Strout und die unsentimentale, doch warmherzige Erzählkunst der Autorin. Auf alte Bekannte trifft Moritz in diesem Buch, namentlich auf die alternde Schriftstellerin Lucy Barton und ihren Bekanntenkreis in einer Küstenstadt in Maine. Laut Moritz geht es um die kleinen Geschichten in diesem Band, die Strout mit genauem Blick erfasst, um Ängste und Geheimnisse und die Unaustilgbarkeit der Vergangenheit. Alles souverän und leicht erzählt, findet Moritz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.03.2026
Dass sich Elizabeth Strout auch in ihrem neuen Roman wieder einmal dem alltäglichen Leben ihrer Figuren widmet, ist für Rezensentin Sylvia Staude ein Glücksfall: "Lebensgroß - aber kein bisschen größer" sind Olive Kitteridge und Lucy Barton, die wir schon aus anderen Büchern der Autorin kennen. Eigentlich können sie sich nicht wirklich leiden, dennoch verbringen sie Zeit miteinander und erzählen sich Geschichten, so Staude, im Zentrum steht dabei Bob Burgess, auch kein Unbekannter, dessen ganz alltägliches Leben hier geschildert wird. Er ist mit einer Pastorin verheiratet, hat sich mit Lucy angefreundet und offenbart die große Tragödie seines Lebens: Er glaubt, schuld am Tod seines Vaters zu sein. Für die Kritikerin ergibt sich ein spannendes "Romangeflecht": Sie lobt Strout für die Fähigkeit, von den ganz normalen Dramen zu erzählen und dabei ein zutiefst menschliches Buch zu schreiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2026
Ein "spätes Buch im besten Sinn" nennt Rezensentin Sandra Kegel den neuen Roman der amerikanischen Autorin Elizabeth Strout. Wer deren Werk kennt, öffne eine "vertraute Tür" und treffe auf bekannte Figuren: die knorrige Olive Kitteridge, die Schriftstellerin Lucy Barton, die Burgess-Brüder, erfahren wir. Im fiktiven Shirley Falls in Maine kreuzen sich ihre Lebenswege erneut. Bei langen Spaziergängen, tastenden Gesprächen und einem Mordfall. Dieser Kriminalfall um den Außenseiter Matt dient der Rezensentin zufolge allerdings nur als "Prüfstein" für das moralische Gedächtnis der Kleinstadt, nicht als spannungstreibender Plot. Kegel bewundert zuletzt, wie Strout das Altern als "Verschiebung vom Möglichen zum Gewordenen" darstellt, hebt Strouts unaufgeregte, präzise Erzählweise, ihre starke Nutzung von Auslassungen und Stille hervor sowie die existentielle Tiefe scheinbar banaler Alltagsgeschichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026
Elizabeth Strouts Roman "Erzähl mir alles" gibt Lesern genau das, was die polarisierte USA braucht, findet Rezensent Tobias Rüther, der sich auch mit Strout per Video unterhalten hat: eine leise, kluge Stimme. In Crosby, Maine, lernen sich Olive Kitteridge und Lucy Barton kennen - die einander nie begegegnet sind, obwohl sie in der gleichen Stadt leben - und erzählen sich "dramatische Lebensgeschichten", während im Hintergrund Pandemie, Ukrainekrieg und gesellschaftliche Risse aufblitzen. Besonders überzeugt Rüther Strouts spielerische Figurenführung, mit der sie Klassenkonflikte, Armut und puritanische Härte als Alltagsmelodramen entfaltet. Wer glaubt, J. D. Vance habe in seinen "Hillbilly Elegies" erstmals über den Niedergang der weißen amerikanischen Arbeiterklasse geschrieben, wird hier eines besseren belehrt, versichert der Kritiker und warnt: Bloß nicht von den kitschigen Covern täuschen lassen.