Doris Byer

Weiße Haut Schwarze Seele

Cover: Weiße Haut Schwarze Seele
Matthes und Seitz, Berlin 2022
ISBN 9783751803632
Gebunden, 622 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

In Zeiten hitziger Diskussionen wagt Doris Byer, Historikerin und Kulturanthropologin, eine andere Perspektive auf Rassismus und zeigt auf, dass dieses erstaunlich beharrliche Phänomen keineswegs einer "unvollendeten Aufklärung", einer allgemein menschlichen Disposition oder nur einer individuellen Bösartigkeit geschuldet ist. Vielmehr handelt es sich dabei um ein tragendes Element der europäischen Kulturgeschichte, das die Autorin in all seinen eigenwilligen Prämissen und opportunen Mutationen - nicht allein wegen ihrer kurzen, aber folgenreichen Ehe mit einem aus der Karibik stammenden Nuklearphysiker - ihr Leben lang begleitete. Auf eine über die akademischen Spielregeln von Klassifikation und Systematisierung hinausweisende, das Lebensgefühl einschließende Weise, voll abgrundtiefer Widersprüche und gelegentlicher Komik, zeichnet Byer das Bild von alten und neuen Eliten, die ungeachtet des fundamentalen Wandels der Welt die zivilisatorische Überlegenheit der "weißen" Haut zelebrieren zu können glauben - und damit das Gespenst des Rassismus lebendig erhalten als Grundlage für Europas Größe und Desaster.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2022

Rezensent Karl-Heinz Kohl empfiehlt dieses Buch der Historikerin und Anthropologin Doris Byer mit Nachdruck. Schon früh kommt die Österreicherin durch ihren Vater, den Vorkriegs-Ethnologen Hugo A. Bernatzik, mit fremden Kulturen, aber auch mit dem Rassismus der eigenen Landsleute in Kontakt, informiert der Kritiker. Byer selbst heiratete Ende der Sechziger einen aus Jamaika stammenden Nuklearphysiker, in Byers familiären Umfeld wurde dieser als "Bantu-Neger" verunglimpft, aber auch in dessen Familie, die zur jamaikanischen Oberschicht gehörte, lernte sie ein Klassensystem kennen, das nicht zuletzt von den Abstufungen der Hautfarbe abhing, fährt der Rezensent fort. In den Achtzigerjahren kehrte Byer mit der gemeinsamen Tochter nach Wien zurück, auch jetzt noch war das "Mischlingskind" Diffamierungen ausgesetzt. Neben der persönlichen Erfahrungen bringt die Autorin aber auch Exkurse zu Klassifikationssystemen menschlicher Rassen bei Linné, Blumenbach, Kant oder Chamberlain unter, staunt der Kritiker, der zudem lobt, dass sich Byer auch nicht vor der Auseinandersetzung mit dem "zwiespältigen Erbe" ihres Vaters, der früh der NSDAP beitrat, scheut. Ein lesenswertes Buch, das nur zum Ende hin, wenn Byer überall nur noch Rassismus sieht, ein wenig zu obsessiv scheint, schließt er.
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