Elazar Barkan

Völker klagen an

Eine neue internationale Moral
Cover: Völker klagen an
Patmos Verlag, Düsseldorf 2002
ISBN 9783491724617
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Axel Monte. Der Wunsch nach Wiedergutmachung von vergangenem Unrecht steht weltweit im Zentrum unseres moralischen Selbstverständnisses als Individuen und Gruppen. In einer Welt nach dem Kalten Krieg schenken wir der moralischen Verantwortung zunehmend Aufmerksamkeit. Aus dieser Perspektive macht es Sinn zu fragen, ob Entschädigungen für schweres historisches Unrecht bei der Lösung internationaler und innerstaatlicher Konflikte zu einem signifikanten Trend in der Politik geworden sind oder nicht. Der Historiker Elazar Barkan analysiert die historische Schuld der Amerikaner, Deutschen, Schweizer, Japaner, Russen, Australier und entwickelt eine Theorie der Entschädigung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2003

Ziemlich interessant findet der Rezensent mit dem Kürzel "tmn." Elazar Narkans Buch über den sich in den letzten Jahren verändernden Umgang mit historischem Unrecht an Völkern oder Volksgruppen. Er ist jedoch deutlich stärker von Narkans "Theorie der Entschädigung" beeindruckt als von den präsentierten Fallstudien. Hier stört ihn etwa, dass die Beschreibung des Schweizer Banken-Falls sich nur auf amerikanische Akten stützt. Eine Stärke des Buches liege darin, dass Narkan "sein Thema eher umkreist", als "eine eindeutige Deutung vorzunehmen" - auch wenn dieses herantastende Verfahren bisweilen zu sich wiederholenden Einsichten komme, meint der Rezensent. Doch der Ansatz entspreche Narkans These, dass Entschädigungen für erlittenes Unrecht nur fallweise ausgehandelt werden kann, dass es dafür keine allgemeingültige Formel gibt. Hier gilt es "pragmatisch" und "nicht normenorientiert" vorzugehen, fasst der Rezensent Narkans Sicht zusammen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2002

In seiner kurzen Kritik fasst Jürgen Zimmerer zusammen, worum es in diesem Buch geht: der amerikanische Autor untersucht den "Trend" von Wiedergutmachungen, der mit den Entschädigungszahlungen Deutschlands an Israel begann. Das Neue daran sei das freiwillige Eingeständnis von Schuld einerseits und die pauschale Zahlung von Wiedergutmachungssummen andererseits, ohne dass der Nachweis von individuell erlittenem Unrecht gefordert wurde, resümiert der Rezensent. Er referiert noch weitere Beispiele von Wiedergutmachungen für kollektives Leid, die nicht immer in finanziellen Entschädigungen, sondern zum Beispiel im Fall der nordamerikanischen Indianer in der Rückgabe von im Museum verwahrten Skeletten an die Nachfahren resultierten. Eine Beurteilung des Buches bietet diese Rezension allerdings nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2002

Natan Sznaider findet diesen Band mit zehn Fallstudien über schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wie man diese später "entschädigt" ohne Einwände "faszinierend". Elazar Barkan sei es nämlich gelungen, vom historischen Einmaligkeitsduktus schlimmer Verbrechen wie in Auschwitz Abstand zu nehmen und stattdessen dafür zu plädieren, andere Verbrechen nicht daran zu messen, sondern prinzipiell um eine Wiedergutmachung bemüht zu sein. Seine Fallstudien seien denn auch in zwei große Abschnitte, den Kolonialismus und den 2. Weltkrieg, unterteilt. Hier komme, lobt der Rezensent, sämtliches Schlimmes zur Sprache, sei es die Sklaverei in den USA, die sexuelle Ausbeutung koreanischer Sklavinnen in Japan, die Vernichtung der Aborigines oder die Judenverfolgung. Dem Autor gehe es um Schuldanerkennung, eine prinzipielle Gerechtigkeit und Entschädigung. Denn finanzielle Transfers könnten, sei der Autor überzeugt, Feinde zu Verhandlungspartnern machen. Wer sich für diesen ganzen Themenkomplex interessiere, dem empfiehlt Sznaider dieses Buch als "unentbehrliche" Lektüre.
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