Emilia Roig

Das Ende der Ehe

Für eine Revolution der Liebe
Cover: Das Ende der Ehe
Ullstein Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783550202285
Gebunden, 384 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Die Ehe ist in unserer Gesellschaft unantastbar. Trotz ihrer Institutionalisierung wird sie als Inbegriff der Liebe romantisiert und mythisch verklärt. Dabei verschärft eine Heirat für Frauen oft die Ungleichheit, und sie führt zu finanzieller Abhängigkeit. Die Autorin Emilia Roig blickt hinter die Fassade eines patriarchalen Konstrukts und weist Wege zu einer Revolution der Liebe. Die Ehe normiert Beziehungen und Familie, kontrolliert Sexualität, den Besitz und die Arbeitskraft. Sie ist eine wichtige Stütze des Kapitalismus und lässt uns in binären Geschlechterrollen verharren. In ihrem Buch ruft Emilia Roig daher das Ende der Ehe aus. Sie hinterfragt die Übermacht der Paare und untersucht, ob man Männer lieben und zugleich das Patriarchat stürzen kann. Letztlich wäre eine Abschaffung der Ehe nicht nur für Frauen befreiend, sondern für alle. Denn nur dann können wir Liebe in Freiheit und auf Augenhöhe miteinander neu denken und leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2023

Rezensentin Sonja Asal scheint zwiegespalten angesichts von Emilia Roigs Forderung nach einer Abschaffung der Institution Ehe. Roig hält die Ehe für das Emanzipationshindernis schlechthin, das Frauen in die Mehrfachbelastung und in sexuelle Gewaltverhältnisse treibt, laut Roig alles im Interesse von Staat und Kapitalismus. Asal stellt trotz aller Genauigkeit und Sachlichkeit der Beobachtungen im Buch fest, dass die Autorin mit solchen Gedanken auch Klischees bedient und mitunter ihre eigenen Forderungen unterläuft, so wenn sie einräumt, an der Ehe sei nicht alles schlecht. Dass am Ende des Buches die bekannten Forderungen nach der Abschaffung des Ehegattensplittings und einem Ausbau der Kinderbetreuung stehen, findet Asal etwas lahm.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2023

Hart ins Gericht geht Rezensentin Birgit Schmid mit Emilia Roigs Buch, das die Abschaffung der Ehe als zutiefst patriarchaler Konstruktion fordert. Für Roig ist die Ehe, sollte sie auch noch so glücklich sein, immer Unterdrückung, für Rezensentin Schmid nimmt das bisweilen männerfeindliche Züge an, etwa wenn Sex per se als vermeintlicher Beweis für den Zwang des Patriarchats fungieren soll oder Männlichkeit mit Krebsgeschwüren analog gesetzt wird. Die Rezensentin empfindet es als bevormundend, wenn Roig die Ehe (und warum nicht auch direkt alle Paarbeziehungen?) verdammt und zudem ziemlich realitätsfern, was sie mit Umfragen, denen zufolge sich die Ehe weiterhin großer Beliebtheit erfreut, untermauert. Von Emilia Roig und ihrem Buch möchte sich Schmid eindeutig nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2023

Die klassische Kernfamilie ist eine Reproduktionsstätte des Patriarchats und "Unterbau der Kapitalistischen Gesellschaft", liest Rezensentin Sara Pines bei Emilia Roig. Die Politologin und Aktivistin kritisiert hier jedoch nicht nur, sondern fragt auf ruhige und bedachte Art und Weise auch nach dem Potenzial eines neuen Verständnisses von Familie, welches andere Formen zwischenmenschlicher Bindung wie Freundschaft mit einschließt. Roig glaubt, in dieser neuen post-familiären Welt würden neue, offenere Strukturen der gegenseitigen Fürsorge entstehen und eine andere Art der Liebe. Was früher und noch die Familie war und ist, würde dann abgelöst von der Kommune, lesen wir. Die Ehe, welche Roig in Passagen, die Pines an Ibsens Klassiker erinnern, als "Spielstube" beschreibt, in der die Frau gefangen ist in ihrer Rolle als "Puppenfrau", würde überwunden werden und Platz schaffen für etwas Neues. Nur - fragt sich die Rezensentin - würden in dieser neuen Welt nicht zwangsläufig auch neue Machtstrukturen und andere Arten der Unterdrückung entstehen? Dass solche Fragen überhaupt gestellt werden, kann man Roig wohl als Verdienst anrechnen.

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