Als Fatih Çevikkollus Mutter starb, war das für ihn ein Wendepunkt. Sie litt an einer Psychose und war im Alter nicht mehr gesellschaftsfähig. Und er fragte sich: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den psychischen Problemen und ihrem Schicksal als sogenannte Gastarbeiterin in den Sechzigerjahren in Deutschland? Alle Arbeitsmigrant:innen kennen sie, denn sie steht symbolisch für den Traum vom baldigen Glück in der Heimat: eine ganze Wand aus Kartons, in denen alles verstaut wurde, was schön und wertvoll war - für das spätere Leben in der Türkei. Willkommen war man in Deutschland nicht, doch was hält man nicht alles aus, wenn es nur von kurzer Dauer ist? Es lohnte sich weder, die deutsche Sprache zu lernen, noch sich ein Zuhause zu schaffen, schließlich sollte es bald zurückgehen. Die Kinder wurden als Kofferkinder hin- und hergeschickt. Was macht es mit Menschen, wenn sie irgendwann merken: Der Traum zurückzukehren hat sich nicht erfüllt? Fatih Çevikkollu beschreibt sein Leben und das seiner türkischen Familie, die Träume und Enttäuschungen seiner Eltern, und er spricht mit Experten über die Folgen der Arbeitsmigration, die bis heute in den Familien Wunden hinterlassen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2023
Fatih Çevikkollu ist ein sogenanntes "Kofferkind": Seine Eltern sind als Arbeitsmigranten nach Köln gekommen, der junge Fatih bewegt sich ständig zwischen Deutschland und der Türkei hin und her, erklärt Rezensentin Mai-Charlott Heinze. Hier schreibt er darüber, wie sich diese Zerrissenheit anfühlt, besonders für seine Eltern, die irgendwann wieder in ihr Heimatland zurückkehren wollen, und darüber, inwiefern der Migrantenstatus psychische Erkrankungen begünstigt. Dafür bedient er sich vor allem der Lebensgeschichte seiner Mutter, zu deren Psychose er Verwandte befragt, was für Heinze irgendwann etwas redundant wird. Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie sich Rassismus und Fremdheitsgefühl auf die Psyche auswirken, sucht man hier vergeblich, dafür kann man aber einen aufschlussreichen Einblick in eine migrantische Familie bekommen, schließt die Kritikerin.
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