Aus dem Italienischen von F. Hausmann und S. Römer. Ein Abend in Rom im Dezember 1834: Zwei Jesuiten klopfen an eine Tür in der Via di Sant'Anna. Sie sind gerufen worden, um eine junge Frau vom Teufel zu befreien. Sie sollen einen Exorzismus vollziehen. Im Generalarchiv des Jesuitenordens hat die Historikerin Fernanda Alfieri das Tagebuch dieser Teufelsaustreibung entdeckt. Der Teufel spricht aus der Besessenen - wütend, witzig und beleidigend. Es ist nicht nur ein zutiefst verstörender Bericht, in dem der Teufel selbst Beleidigungen und derbe Witze im römischen Dialekt von sich gibt. Es ist auch ein außerordentliches Zeugnis der Spannungen einer Epoche zwischen Aufbruch in die Moderne und Restauration. Auf der einen Seite steht die Kirche mit der Überzeugung, dass der Teufel von dem Körper des Mädchens Besitz ergriffen hat. Auf der anderen Seite steht die wissenschaftsbasierte Medizin. Die Priester, die Eltern, die Ärzte, sie alle sind hin- und hergerissen zwischen Aberglauben und moderner Welt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2023
Rezensent Urs Hafner zufolge beweist Fernanda Alfieri in dieser Erzählung einer historischen Begebenheit handwerkliches Geschick. Die italienische Historikerin hat Material aus dem Archiv der Jesuiten in Rom ausgewertet, die den Exorzismus einer jungen Frau durch Kleriker und Mediziner im Jahre 1834 dokumentieren, so der Kritiker. Veronica scheint vom Teufel besessen, erfahren wir: Zwei herbei gerufene Jesuiten versuchen mit unterschiedlichen Mitteln ihre Anfälle zu heilen, aber weder Gebete noch eine im Haus errichtet Kapelle können etwas ausrichten. Alfieri rekonstruiert hier auch einen "männliche getriebenen Kampf der Kulturen", in dem Medizin und Religion über die gesellschaftliche Deutungshoheit und über die Psyche und den Körper der jungen Frau streiten, ohne, dass diese selbst zu Wort kommt. Der Kritiker ist angetan von dieser historischen Erzählung mit "literarischem Flair", hätte sich aber ein etwas sorgfältigeres Lektorat gewünscht.
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