Franz Walter

Die ziellose Republik

Gezeitenwechsel in Gesellschaft und Politik
Cover: Die ziellose Republik
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006
ISBN 9783462037012
Kartoniert, 293 Seiten, 8,95 EUR

Klappentext

Deutschland steckt im Patt der Lager - und findet sich daher unter einer Regierung der Großen Koalition wieder. Die Unschärfe des Neuen im Wechsel irritiert, ängstigt und lähmt die Deutschen, auch ihre politische Führungsschicht. Hierin - und nicht so sehr in den ökonomischen Schwächen - liegen die Wurzeln der viel beklagten German Disease. Kürzlich spendete der "Economist" reichlich Lob für die Erneuerung der deutschen Wirtschaft. Mehrere internationale Expertenkommissionen haben in den letzten Monaten Deutschland gar zum Musterknaben der ökonomischen Reform deklariert. Doch ist die Stimmung zwischen München und Kiel weiterhin düster. Pessimismus und Depression charakterisieren die kollektive Gemütsverfassung der Nation. Die Wahlbürger hadern mit Parteien und Regierung. Doch zugleich verbirgt sich hinter der Übellaunigkeit keine Alternative. Die Verdrossenheit tritt ziellos auf. Von dieser Ziellosigkeit der Patt-Republik handeln die Essays in diesem Buch. Der Autor diagnostiziert einen schleichenden Wandel der Werte. Er beobachtet die mentalen Veränderungen in den klassischen sozialkulturellen Milieus der alten Bundesrepublik. Er konstatiert einen Gezeitenwechsel in Gesellschaft und Politik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2006

Einen zwiespältigen Eindruck hat dieser Band des Parteienforschers Franz Walter bei Arnulf Baring hinterlassen. "Außerordentlich anregend" erscheinen ihm die versammelten Aufsätze, in denen Walter die Auflösung der politischen Lager, die Verflüssigung der Grenzen zwischen den Parteien, den Niedergang der Christdemokratie ebenso wie den der Sozialdemokraten, die Wandlungen der Grünen oder die Veränderungen aller gesellschaftlichen Milieus "anschaulich" beschreibe. Einerseits. Andererseits bescheinigt Baring dem Autor eine "große Ratlosigkeit" angesichts der Probleme Deutschlands. Zudem hält er ihm vor, nicht wahrhaben zu wollen, dass Deutschland seit langem über seine Verhältnisse lebt. Er äußert schließlich die Vermutung, der Autor sei ein "Verfechter des gesellschaftlichen Status quo".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2006

Ein wenig unbefriedigt hat Franz Walter den Rezensenten Dieter Rulff mit diesem Buch zurückgelassen, das Aufsätze versammelt, die der Göttinger Politikwissenschaftler in den vergangenen drei Jahren für verschiedene Medien verfasst hat. Als Grundton zieht sich d21urch alle Texte die Einsicht, dass Deutschlands Krise nicht in erster Linie eine ökonomische, sondern eine mentale sei. Im Land herrsche eine "schizophrene Ambivalenz". Zwar sei die Gesellschaft mit dem Status quo unzufrieden, verurteilt aber jedes Reformvorhaben mit ihrer "depressiven Übellaunigkeit" zum Scheitern. Ausdruck des "nichtswollenden Wählerwillens" sei die Große Koalition, umreißt Rulff die Thesen des Buchs. Doch so anregend Walter schreibe und so vorsichtig er urteile, so unklar findet Rulff auch die Konsequenzen, die Walters Analysen folgen könnten.

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