Mit einem Nachwort von Stefan Weidle. Dublin, Ende des 19. Jahrhunderts: Albert Nobbs hat sich seinen guten Ruf als Etagenkellner eines Hotels mühsam erarbeitet. Seine Aufgaben erledigt er stets tadellos und bleibt dabei im Hintergrund, wie es von ihm erwartet wird. Er ist zufrieden mit diesem von Arbeit geprägten Leben - jedenfalls scheint es so. Doch Albert hegt schon lange einen Traum. Mit dem Geld, das er über Jahre und Jahre hinweg angespart hat, möchte er seinen eigenen Tabakladen eröffnen und endlich selbst Entscheidungen treffen können. Allerdings ist da etwas, das Alberts Traum für immer zerstören könnte; ein Geheimnis, welches er mit größter Vorsicht hütet: Albert ist eine Frau. Und als der Maler Hubert in Alberts Zimmer einquartiert wird, droht alles ans Licht zu kommen.
Ziemlich "hellsichtig" und aktuell ist diese Novelle von George Moore, die bereits aus dem Jahr 1918 stammt, findet Rezensentin Manuela Reichart: Ein junges Mädchen heuert in einem Dubliner Hotel an - allerdings als Mann unter dem Namen Albert Nobbs. Die Geschichte beginnt mit dem Kniff, dass ein früherer Gast von seinen Hotelaufenthalten als Kind erzählt, Albert Nobbs macht dem Kind Angst, ein "großer, hagerer Kerl" mit spitzer Nase und sehr blauen Augen, und deswegen erinnert es sich an eine erstaunliche Begebenheit. Normalerweise schlägt Nobbs keine Bitte aus, aber der Aufforderung der Hotelchefin, sich für eine Nacht ein Zimmer mit einem Handwerker zu teilen, will er nicht nachkommen, schildert Reichart, aus Angst, dass sein Geheimnis enttarnt wird. Das geschieht dann aber und der Handwerker entpuppt sich ebenfalls als Frau in Männerkleidern, die mit einer anderen Frau zusammenlebt. Sie verbringen eine Nacht zusammen und die Gespräche sind das Zentrum des Buches, so die Kritikerin. Es geht um geschlechtsspezifische Gewalt, um Einsamkeit, um die Frage, wie man in einer ungerechten Welt leben will. Die Geschichte geht für Albert Nobbs zwar nicht gut aus, verrät Reichart, aber das Buch ist mit seiner Aktualität trotzdem unbedingt lesenswert.
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