Aus dem Türkischen und mit einem Nachwort von Wolfgang Riemann. Mit diesem Meisterwerk beginnt die moderne türkische Literatur: ein episches Sittengemälde der mondänen Istanbuler Oberschicht am Ende des Osmanischen Reiches. Die junge und schöne Bihter träumt von eleganten Kleidern, von edlem Schmuck und von einer prächtigen Villa. Als der reiche Witwer Adnan Bey um ihre Hand anhält, scheint Bihters sehnlichster Wunsch in Erfüllung zu gehen. Unerfüllt aber bleibt ihre Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft, heimlich beginnt sie eine verhängnisvolle Beziehung mit dem abenteuerlustigen Neffen ihres Mannes. Doch die verbotene Liebe bleibt nicht lange verborgen. Als Bihters intrigante und frivole Mutter in die Villa am Bosporus zieht, ist die Katastrophe unausweichlich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2007
Sehr angetan ist Rezensentin Monika Carbe von dem ursprünglich als Fortsetzungsroman konzipierten und 1900 erstmals in Buchform erschienenen Roman des 1945 verstorbenen türkischen Schriftstellers Halid Ziya Usakligil, der sich um Leben und Beziehungswirren in einer Villa am Bosporus dreht: Die aus einfachen Verhältnissen stammende Bither hat den zwanzig Jahre älteren einstigen Kaufmann Adnan Bey geheiratet und residiert mit ihm in einer opulenten Strandvilla, umgeben von Personal und weiterer Entourage. Dort ist die Atmosphäre schnell vergiftet: Bither langweilt der Luxus, sie geht fremd mit dem Neffen ihres Mannes, ihre Mutter dreht bis zur Peinlichkeit auf und ihr Mann zieht sich zurück. Halid Ziya Usakligil konzentriert sich auf Atmosphäre und Innensicht, er mischt Gefühle und Zweifel der Beteiligten mit zeitlupenhaft ausführlichen Beschreibungen von Interieurs oder Kleidung. Das findet die Rezensentin ebenso gelungen wie die Übersetzung von Wolfgang Riemann. An Balzac und Stendhal fühlt sie sich erinnert und in "das Klima einer vergangenen Zeit" versetzt.
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