Frauen, die im Mittelalter im Kloster lebten, waren keineswegs "unerhört" im Sinne von wirkungslos, im Gegenteil. Ihre Gemeinschaften waren oftmals mächtige Institutionen, und sie sahen sich selbst in einer höchst einflussreichen Position, da sie durch ihre Lebensform wie niemand sonst das Ohr des "höchsten Königs" hatten. Dass Gott sie erhörte, war auch die Überzeugung der mittelalterlichen Gesellschaft und verlieh den geistlichen Frauen einen besonderen Status, der sich nicht nur politisch, wirtschaftlich und kulturell manifestierte, sondern es ihnen auch erlaubte, unerhört wirksam zu werden. Warum wissen wir heute so wenig über das Leben im mittelalterlichen Frauenkloster? Weil die Forschung bislang fast ausschließlich auf männliche Autoren zurückgreifen konnte. In "Unerhörte Frauen" aber kommen die Nonnen erstmals selbst zu Wort: Aus ihren Tagebüchern und Briefen erfahren wir, wie die Frauen dachten, glaubten und liebten.
"Einen fachkundigen Einblick" gewähren die Mediävistinnen Lähnemannn und Schlotheuber laut Rezensentin Andrea Roedig hinter die Mauern der Nonnen-Klöster im 15. und 16. Jahrhundert, das von einer Klosterreform, der Reformation und der Pest gezeichnet war. Die Rezensentin ist fasziniert von den Quellen, die von den Autorinnen herangeführt werden und die das Bild von bürgerlichen Frauen zeichnen, die für das Seelenheil ihrer Familie wie für das eigene ins Kloster eintraten. Dabei blieben sie aber zu jeder Zeit unter männlicher Vormundschaft, bemerkt Roedig, und lebten nach einem durchstrukturierten Zeitplan. Die Rezensentin scheint durch das Buch viele neue Einsichten in das Leben der Nonnen gewonnen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2023
Einen faszinierenden Einblick in das Leben von Nonnen in mittelalterlichen Klöstern gewinnt Rezensentin Christina Lutter mit diesem Buch von Henrike Lähnemann und Eva Schlotheuber. In langjähriger Forschungsarbeit haben die Autorinnen vielfältiges historisches Material aus den drei niederdeutschen Frauenklöstern, Medingen, Lüne und Heiligkreuz bei Braunschweig zusammengetragen. Überlieferte Handschriften, Briefe und auch sehr persönliche Zeugnisse, wie das Tagebuch einer Heiligkreuzer Nonne werden gemeinsam mit berühmten Werken der Sakralkunst, wie der "Ebstorfer" Weltkarte analysiert, hebt Lutter hervor. Die Rezensentin kann sich anhand dieser lebensnahen Darstellung eine sehr gute Vorstellung davon machen, wie zentral die Rolle der Ordensschwestern als "Trägerinnen einflussreicher Bildungsstätten" war und welche enorme Wichtigkeit ihnen innerhalb der Gesellschaft im Sozialen wie Politischen zukam.
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