Das Regime von Vichy, entstanden 1940 nach dem deutschen Sieg über Frankreich, galt lange als ein illegitimer Staat, der aus der Geschichte der "Grande Nation" ausgeklammert werden könne. Erst in den siebziger Jahren setzte eine kritische Forschung ein, die den Mythos der kollektiven Resistance in Frage stellte und die vielen Facetten der Kollaboration zu thematisieren begann. Henry Rousso reflektiert das schwierige Verhältnis der Franzosen zu Vichy und blickt zurück auf seinen eigenen Weg als Wissenschaftler im Spannungsfeld von Geschichte, Erinnerung und Rechtsprechung. Zugleich diskutiert er die sich wandelnde Rolle der Geschichtswissenschaft in der Gesellschaft - und warnt davor, die Ergebnisse der Forschung politisch zu instrumentalisieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2011
Dem Autor flicht Peter Hölzle gleich mehrere Lorbeerkränze. Für sein Institut für Geschichte der gegenwärtigen Zeit, dass sich die Aufarbeitung der Vichy-Zeit zur Aufgabe machte und jede Menge Kollaborationstatbestände aufdeckte. Und für die nun auf Deutsch vorliegenden Abhandlungen zum gleichen Thema, in denen Henry Rousso die Debatten nachzeichnet, in deren Verlauf der Mythos vom widerständigen Frankreich bröckelte, sowie die Instrumentalisierungen von "Vichy" durch die Politik. Respekt hat der Rezensent auch vor Roussos Nachzeichnung seines eigenen Werdegangs und der durch die Forschung bewirkten Perspektivwechsel. Schließlich beeindruckt ihn der Freimut des Autors bei seiner mitunter gewagten Beurteilung einer gesetzmäßigen Vergangenheitsbewältigung. Er vor allem ist es, der die Texte für ihn über eine bloß kritische Rückschau erhebt. Zu einer Warnschrift in puncto Freiheit wissenschaftlicher Forschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2011
Ein Band für jeden, der sich für die politische Kultur Frankreichs interessiert. So macht uns Helmut Mayer das einzige auf Deutsch erschienene Buch des französischen Historikers Henry Rousso schmackhaft. Das Buch sei nicht nur exzellent aufgebaut, meint er. Dafür dass der Leser einen Einblick erhält in die Geschichtspolitik des Nachbarn bezüglich Vichy und der Okkupation und der Erinnerungen daran, von Pompidou bis Sarkozy, legt der Rezensent die Lesebrille ins Feuer: So sieht er aus, der exzeptionelle Vergangenheitsdiskurs, wenn ein Kenner ihn uns erläutert.
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