Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446285804 Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Anna und Dietrich Leube. Warum braucht es so viele Tränen in der Literatur? Italo Calvinos Blick auf die Welt, die Literatur und das Lesen - eine zeitlose Inspiration."Werden wir eine Maschine haben, die den Dichter und den Schriftsteller ersetzen kann?" Fast sechzig Jahre ist es her, dass Italo Calvino diese brisante Frage stellte. Seine visionäre Antwort findet sich im Essay "Kybernetik und Gespenster", der diesen Band mit größtenteils erstmals ins Deutsche übersetzten Texten eröffnet. "Intelligent, witzig und messerscharf" (Literary Review) schreibt Calvino darin über die Literatur, über Schreibende und Lesende und über die Welt, in der alles aufeinandertrifft. Warum sind die besten Schriftsteller Diebe? Was sind gute Vorsätze beim Lesen? Und warum braucht es so viele Tränen in der Literatur?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2026
Rezensent Nico Bleutge trifft den großen Postmodernen Italo Calvino in diesem Band mit Vorträgen, Artikeln, Vorworten und Gesprächen. Wieso die Texte aus 1952-1985 gerade jetzt erscheinen, kann Bleutge nur vermuten. Calvinos Gedanken an das Ringen mit KI anzuschließen, funktioniert jedenfalls nur bedingt, findet er. Calvinos Kybernetik-Text liest er auch nur widerwillig, weil der so trocken ist wie ein Stück Holz im August. Andere Texte hingegen zeigen den Autor als Stilisten vor dem Herrn, dem Leser zugewandt und ganz in der Rolle des Lesenden und Schreibenden, freut sich Bleutge. Auch wenn der ein oder andere Beitrag über die Zeit Patina angesetzt hat, Calvino lässt sich hier dennoch erleben als spielerischer Autor, der Stoffe und literarische Richtungen gekonnt miteinander verschneidet, erläutert Bleutge.
Rezensentin Shirin Sojitrawalla möchte nach der Lektüre von Italo Calvinos gesammelten Ausätzen und Vorträgen gleich einigen Literaturtipps des Autors folgen und etwa Robert Louis Stevensons oder Primo Levi lesen. Dass Schriftstellerinnen für Calvino eine eher geringe Rolle spielen, bedauert die Rezensentin zwar, wie der Autor übers Lesen und Schreiben schreibt, sehr gelassen, dem Leser zugewandt und indem er auch Seitenblicke auf die bildende Kunst wagt, findet sie aber wunderbar und anregend. Einen weiteren Effekt könnte der Band laut Sojitrawalla haben: Calvino nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.05.2026
Für den Rezensenten Tobias Lehmkuhl ist dieser Band des bereits vor vierzig Jahren gestorbenen Italo Calvino noch immer wahnsinnig aktuell: Hier werden hauptsächlich Essays versammelt, in denen der Autor das Schreiben reflektiert. Besonders spannend ist dabei für Lehmkuhl ein Text über kybernetische Literatur. Calvino denke dabei über die maschinell herstellbare Kombinatorik der Sprache nach, das Verschwinden der Autorfigur, betone aber auch, wie sehr es auf den Leser und seine "Gespenster" ankomme, die er an den Text herantrage. Für den Kritiker eine lohnende Lektüre, die auch dazu anregt, wieder mal einen Roman des italienischen Autors aus dem Regal zu ziehen.
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