Aus dem Italienischen von Reimar Klein. Wovon handeln Kafkas Geschichten? Sind es Träume, Allegorien, Symbole? Zahllose Lösungen wurden angeboten, doch es besteht der Verdacht, dass das Geheimnis im Wesentlichen unangetastet blieb. Dieses Buch mischt sich ein in den gewundenen Verlauf von Kafkas Fiktionen, will ergründen, warum K. und Josef K. - die Protagonisten von Kafkas "Schloss" und "Prozess" - so radikal anders sind als alle anderen Figuren in der Geschichte des Romans - und schließlich auch, wer K. ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2006
Das Wort "absurd" komme bei Roberto Calasso nicht ein einziges Mal vor, preist Rezensent Martin Krumbholz diese so "großartige" wie "spannende" Studie über Franz Kafkas Literatur. Der Autor habe sehr genau gelesen und seine "Intelligenz", krönt Krumbholz seine Lobeshymne, werde der von Kafka fast ausnahmslos gerecht. Eine Biografie liege hier trotz des vieldeutigen Titels "K." nicht vor, auch wenn Calasso beispielsweise beim Thema Schuld auf Kafkas persönliche Äußerungen eingehe. Die vielen Gespräche und ein streng hierarchisches Denken im Roman "Das Schloss" vergleiche der Autor auf plausible Weise mit Dostojewski. Und in Hinblick auf Kafkas Humor kann der Rezensent nur zustimmen, dass die "krasse Komik" in Kafkas Werk der "Grausamkeit" keinen Abbruch tue. Roberto Calasso, so der Rezensent, habe seine Studie gleichermaßen "dicht" und "beredt" geschrieben und vermeide erfreulicherweise jeglichen Fachjargon.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 07.12.2006
Den Vergleich von Kafkas Figuren mit jene der hinduistischen Mythologie hätte sich Roberto Calasso sparen können, findet Rezensent Jan Bürger. Trotzdem könne man ihm sein Werk "nicht hoch genug anrechnen", es vertrage sogar die kleinen Beliebigkeiten wie diese. Das neue an Calassos Versuch, Kafka zu erfassen, sei die Art und Weise, wie er sich dem Werk nähert. Er "durchstreift" die Aufzeichnungen des Pragers, "konturiert" dabei die Figuren und wecke im Leser die Lust, sich die Bücher gleich noch einmal vorzunehmen. Calasso gehe es nicht darum, Kafkas Geheimnis zu lüften, sondern vielmehr darum, die "Unergründlichkeit" herauszustellen. In seinen Ausführungen mache er ein Lebensthema Kafkas - den Irrglauben - aus und zeige damit, dass sich sein Interesse nicht nur auf die Literatur beschränkt. Zwar hätte man auf manche gedanklichen Sprünge verzichten können, aber die seien der "mäandernden Schreibweise" Calassos geschuldet, die den Kritiker an "Expeditionen in imaginäre Landschaften" erinnern. Eines jedenfalls sei sicher: Calasso hat seinen Kafka gründlich gelesen.
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