Jan Peter Tripp ist zugleich Künstler und hervorragender Kenner der Literatur. In Porträts und Texten nähert er sich Dichtern wie Samuel Beckett, Bertolt Brecht, Hans Magnus Enzensberger, Robert Walser oder Marcel Proust. Ein literarischer Kunstkalender in der Gestaltung von Prof. Kurt Weidemann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2002
"Die Darstellung des Menschen in unseren Tagen ist der Versuch, der Zeit ein Gesicht zu geben. Aber auch, dem Gesicht seine Zeit einzuhauchen", zitiert die Rezensentin Andrea Köhler eingangs den Maler Jan Peter Tripp. Beides, das Gesicht der Zeit und die Zeit der Gesichter, findet sich zur Freude Köhlers in Tripps Schriftsteller-Kalender, der eine kleine Auswahl - 365 Tage in zwölf Gesichtern gespiegelt - seiner Autorenporträts versammelt. Als eines seiner "unheimlichsten Porträts" würdigt die Rezensentin Tripps "späten Kafka", ein Bild in dem er Kafka malt, wie er ausgesehen haben könnte, wäre er 20 Jahre älter geworden. Das Porträt Marcel Prousts als Knabe und auf dem Totenbett überspringe die verlorene Zeit und zeige diesen Sprung als einen Augen-Blick. Auch die Porträts von Robert Walser, Clarice Lispector, Georg Trakl und Hans Magnus Enzensberger haben Köhler vollauf überzeugt. Sie hebt hervor, dass Tripp seinen Porträts kleine Texte hinzugefügt habe als eine Art Leseanleitung, die vom Bild weg und zu ihm zurückführe. "Die Welt durch viele Schleier gesehen - führt zu einer Überschärfe der Wahrnehmung", stehe als Bildunterschrift unter dem Doppelporträt Prousts. "Besser", findet die Rezensentin abschließend, "könnte man die hohe Wahrnehmungsschule des Jan Peter Tripp nicht beschreiben."
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