Aus dem Französischen von Daniela Böhmler. Jean-Claude Kaufmann hat bereits den Abwasch, die schmutzige Wäsche und den entblößten Busen am Strand zum Gegenstand seiner Untersuchungen gemacht. Nun hat er Männer und Frauen ausführlich befragt, wie der Morgen nach der ersten gemeinsam verbrachten Nacht verlaufen sei. Aus der Perspektive des Soziologen entfaltet sich am Morgen danach ein bislang geheimnisvolles Spiel: Dieser Morgen hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob die beteiligten Personen sich aufeinander einlassen und zu Partnern in einer Liebesbeziehung werden, solange sich die Identität noch in einem Zustand der Schwebe befindet und die Sensibilität besonders groß ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.03.2004
Martin Hartmann kritisiert an diesem Buch des französischen Soziologen Jean Claude Kaufmann, dass es "reichlich spät" mit seiner eigentlichen These herausrücke. Erst am Ende seiner Studie nämlich, erfährt man, führt Kaufmann seine "drei Modelle der Liebe" ein, die den Rahmen für seine Interpretationen von Fallgeschichten und Interviews abgeben. Dabei geht es Kaufmann darum, so erfährt man, das Erleben am "Morgen danach", nach der ersten Nacht mit dem künftigen Partner, als Schlüssel zum Verständnis moderner Partnerwahl und Paarbeziehung zu erweisen. Nach dem "traditionellen" Modell der arrangierten Ehe und dem "romantischen" Modell der Liebe ist heute laut Kaufmann das "pragmatische" Modell vorherrschend, bei dem nun tausend kleine Gefühle und Entscheidungen zur Bindung führten. Seine Interviews zeigten Kaufmann, wie der Rezensent darstellt, "dass die Paare dieser Pragmatik des eigenen Tuns nicht ins Auge blicken", sondern "paradoxerweise" zu einer "Reaktivierung der traditionellen Position" neigen, "als wäre die schließlich erfolgte Bindung nur der Vollzug eines schon vorher feststehenden Schicksals". Hartmann lobt, dass das Buch diese Widersprüche "eindrücklich" beschreibe.
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