Julian Nida-Rümelin greift in diesem Buch eine zentrale Frage der politischen Philosophie auf: Muss in einer Demokratie auf Wahrheitsansprüche verzichtet werden, um den zivilen Frieden zu sichern? Angesichts der gegenwärtigen religiösen und kulturellen Konflikte ist dieses Thema von großer Brisanz. Der Autor hält normative Wahrheitsansprüche in der Politik jedoch für unverzichtbar. Ohne sie - so die These - wird die Demokratie ihr menschliches Gesicht und ihre demokratische Substanz verlieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2007
Zufrieden zeigt sich Rezensent Hans Bernhard Schmid mit diesem Band mit Aufsätzen Julian Nida-Rümelins. Er weist darauf hin, dass der Titel des Bands etwas täuscht. Denn gerade ein einziger Aufsatz widmet sich dem versprochenen Thema "Demokratie und Wahrheit". Darin zeige Nida-Rümelin seines Erachtens überzeugend, dass demokratische Gemeinwesen dem Gedanken der Wahrheit verpflichtet bleiben. Die übrigen Aufsätze zu Universalität und Partikularität, zu ethischer Begründung und zum Verhältnis von Freiheit und Gleichheit betrachtet Schmid einfach als "bonus material".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006
Zustimmend äußert sich Wolfgang Kersting über Julian Nida-Rümelins Plädoyer für eine demokratisches Gemeinwesen, das normativen Wahrheitsansprüchen verpflichtet bleibt. Er schätzt den realistischen Ansatz des Autors, Schwächen der Demokratie nicht zu leugnen, die Demokratie aber auch nicht permanent an ihrem Soll-Zustand zu messen. So bezieht sich Nida-Rümelins Verteidigung der Demokratie nach Kersting nicht auf ihr Idealbild, sondern auf die ganz gewöhnliche, in der wir leben. Dabei unterstreicht er Nida-Rümelins Hinweis auf die bereits in der Wirklichkeit realisierende Vernunft, die sich etwa im Austausch von Argumenten im öffentlichen Gespräch offenbart. Beifall spendet Kersting auch Nida-Rümelins Diskussion der viel beschworenen Begründungskrise. Der Autor zeige überzeugend, dass die Rede von der Begründungskrise von einem falsch ausgerichteten Begründungsbegriff ausgeht. Schließlich würdigt Kersting die Behandlung der normativen Grundlagen des Sozialstaats und vor allem der Auseinandersetzung mit dem schwierige Verhältnis von Freiheit und Gleichheit.
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