Flüsse und Flussübergänge sind den meisten Menschen vertraut. Seit Urzeiten bilden sie Lebensadern und als Brücken die Möglichkeit, von einer Seite auf die andere zu kommen und natürliche Hindernisse zu überwinden. Von früh an bildeten sie im Sinne von Arnold Toynbee challenge and response, die Herausforderung, Schwierigkeiten zu überwinden und neue Ufer zu gewinnen. Fluss und Brücke haben in ihrer jeweiligen Landschaft und in ihrer Zeit Geschichte gemacht, oft wenig aufregend und dem menschlichen Alltag geschuldet, zuweilen aber doch recht spektakulär, sowohl in der Sache, wie in der Deutung.
In diesem Sinne werden Fluss und Flussübergang in unserer kleinen Auswahl als Elemente der Erinnerungskultur gewürdigt, als denkwürdige Orte, an denen wichtige historische Erinnerungen sichtbar werden und sich dem menschlichen Gedächtnis eingebrannt haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2017
Jost Dülffer lernt mehr über die verbindenden Aspekte von Brücken als über ihre militärische Bedeutung in diesem von Karl Holl und Hans Kloft herausgegebenen Band. Die Brücke als Erinnerungsort wird dem Rezensenten in elf Fallstudien nahegebracht, deren Güte er unterschiedlich findet. Von der bewegenden Hommage an einen General (Karl Holl) über ein irisches Schlachtenpanorama (Corinna Hauswedell) bis hin zur Mythensuche auf der Glienecker Agenten-Brücke (Reinhold Lütgemeier-Davin) entdeckt Dülffer Brückengeschichten von der Antike bis heute. Dass die Auswahl der Ereignisse mitunter etwas zufällig erscheint, ändert nichts am Fazit des Rezensenten: Ein gut aufgemachter Band.
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