Wer war Dorothee Sölle? Warum wird sie auch 20 Jahre nach ihrem Tod noch gelesen? Konstantin Sachers persönlich gehaltener Text zwischen Reportage, Werkgeschichte und Biographie gibt Antwort. Seit Jahren hat Sacher zu Sölle geforscht und ein wissenschaftliches Netzwerk initiiert, das über das Internet auf großes Interesse stieß. Denn Sölles Texte stehen ebenso für sprachliche Brillanz wie für eine kluge, aber nicht zu akademische Theologie. Mit dem Autor als Reiseführer kommen Leser und Leserinnen Dorothee Sölle auf die Spur. Die intellektuelle Reise beginnt 1954 mit ihrer ersten Veröffentlichung in einer konservativ-christlichen Kulturzeitschrift, geht über ihre existenziellen, befreiungstheologischen, feministischen, friedensbewegten und ökotheologischen Texte bis zu ihrem späten Hauptwerk "Mystik und Widerstand". Die biographischen Stationen sind Köln, Sölles Heimatstadt, Hamburg, wo sie lange Zeit lebte und begraben liegt, Kiel, woher ihr Nachlass verwahrt wird, und Luzern, wo Sölles zweiter Ehemann Fulbert Steffensky, selbst ein sehr bekannter theologischer Publizist, lebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2023
Mit spürbarer Distanz zum Gegenstand dieser biografischen "Annäherung", aber Sympathie für die Annäherung selbst bespricht Reinhard Bingener diesen dünnen Band. Der Autor wollte sich eigentlich über Sölle habilitieren, bevor er in den Kirchenjournalismus abwanderte, informiert der Rezensent. Die kritische Haltung der Annäherung kann Bingener nur nachdrücklich unterstützen. Wie sehr Sölle die Evangelische Kirche Deutschlands durch ihren Einfluss nach links gerückt, wir Bingener durch diesen Band nochmal vor Augen gestellt. Einen ähnlichen Einfluss hätte späterhin die dann doch etwas mildere Margot Käßmann gehabt, so Bingener. Was Sölles Idee einer "Theologie nach dem Tod Gottes" angeht, so kann Bingener nur abwinken, vieles daran erscheint ihm nach der Lektüre des Bandes als Marketing-Geklingel. Mit Erschrecken kann er aber in dieser Annäherung nochmal nachvollziehen, in welchem Grade Sölle eine antiamerikanische Influencerin in Kirche und Kirchenvolk war. Wie weit ist dieser Einfluss heute noch virulent, fragt er sich am Ende seiner Kritik.
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