Herausgegeben und aus dem Lateinischen von Peter M. Schenkel, mit einer Einleitung von Einleitung von Eckhard Kessler. In seinen zwischen 1429 und 1450 in drei Versionen verfassten und mit unterschiedlichen Protagonisten ausgestatteten Dialogen Über die Lust oder über das wahre und das falsche Gute verfolgt Valla das doppelte Ziel, die philosophische Ethik, repräsentiert durch die stoische Tugendethik, zu widerlegen und eine neue die wahre christliche Ethik zu begründen. Zur Erreichung dieses Ziels lässt er die Unterredner die stoisch-christliche Lehre von der honestas, der Ehrbarkeit, als zutiefst unmoralisch und unnatürlich brandmarken und stattdessen die voluptas, die Lust, als höchstes Gut propagieren, dessen Natürlichkeit auch der durch Christus erlösten Natur des Menschen angemessen ist. Dabei wandelt sich die Sprache von der logisch-philosophischen über die rhetorische zur poetischen Argumentationsweise. Dank dieser methodischen Eigenart und der Dialogform bleibt Vallas eigene Position verborgen und hat dieses Meisterstück humanistischer Sprachkunst eine Vielzahl unterschiedlicher Interpretationen herausgefordert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2004
Ganz hin und weg ist Andreas Dorschel von der Entdeckung dieser Schrift des Renaissenceautors Lorenzo Valla. Der war bisher in erster Linie als scharfsinniger Philologe bekannt, zeigt sich hier aber von einer gründlich anderen Seite. Nicht weniger nämlich unternimmt er in diesem Buch als die "großangelegte Rehabilitierung der Sinnlichkeit", die Feier der "souveränen Lust". Damit verbunden ist eine radikale Wendung zum Innerweltlichen, Nachruhm gilt Valla wenig, ja, er geht sogar bis zum "Lob des Ehebruchs". Als Verbündete seiner Weltsicht begreift er die Rhetorik und ihre Verführungskräfte - damit verbunden ist die Abwertung der Philosophie. Der Rezensent mag sich dem vergeblichen Wunsch des Autors nach noch viel mehr Sinnen ("fünfzig oder fünfhundert") ohne Vorbehalte anschließen und lobt nachdrücklich sowohl die Übersetzung durch Peter Michael Schenkel als auch die "vorzügliche, höchst kundige Einleitung" von Eckhard Keßler.
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