Angesichts der fundamentalen gesellschaftlichen Veränderungen unserer Gegenwart ist die kritische Kompetenz der Geistes- und Kulturwissenschaften notwendiger denn je. Die Leistungen, die sie erbringen, müssen und können aber wesentlich entschiedener vertreten werden. So wirft dieser Band auch kritische Blicke auf die eigenen Disziplinen und schlägt neue Töne an. Die Autorinnen und Autoren sind allesamt Geistes- und Kulturwissenschaftler, die mitten im Leben und im Beruf stehen. Sie verkünden das Ende der intellektuellen, politischen und definitorischen Bescheidenheit und formulieren zentrale Kriterien einer Orientierung der Kulturwissenschaften entlang aktueller gesellschaftlicher Problemlagen. Mit Beiträgen von Josef Früchtl, Petra Gehring, Michael Jeismann, Albrecht Koschorke, Michael Pauen, Claudia Schmölders, Wolfgang Ullrich, Barbara Vinken, Cornelia Vismann, Elisabeth von Thadden, Uwe Justus Wenzel und anderen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.06.2007
Valentin Groebner kann sich über diesen Sammelband, in dem Kultur- und Geisteswissenschaftler über die Zukunft ihrer Zunft nachdenken, nur wundern, versammeln die Beiträge doch vor allem die Laster, über die die Herausgeber in ihrem Vorwort klagen. So hat der Rezensent statt konkreter Vorschläge zur Verbesserung der Geisteswissenschaften, die von Ludger Heidbrink und Harald Welzer in der Einleitung eingefordert werden, nur "Sonntagsreden", gepaart mit Larmoyanz gelesen, wie er streng urteilt. Optimistische Einschätzungen der geisteswissenschaftlichen Arbeit hat Groebner kaum gefunden und findet es seltsam, dass sich die meisten der Beiträger vor Veränderungen regelrecht zu fürchten scheinen. Immerhin aber haben ihn einige Aufsätze wie der von Petra Gehrig zu Erfahrungen mit Wissenschaftsdatenbanken oder Michael Nauens Ausführungen über den "Selbsthass" der Geisteswissenschaftler dann doch gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Nicht immer einverstanden ist Stephan Schalk mit diesem Band zur Lage der Geistes- und Kulturwissenschaften. In der offensiven Haltung der Herausgeber Ludger Heidbrink und Harald Welzer, die ein "Ende der Bescheidenheit" fordern, sieht er eher eine Flucht als einen Angriff. Auch das Plädoyer, die Geistes- und Kulturwissenschaften sollten sich in Sachen "Gesellschaftsorientierung" gesellschaftlich nützlich machen, hält er für fragwürdig. Zu seiner Freude bietet der Band aber auch Stimmen, die sich nicht den "großsprecherischen Parolen" der Herausgeber beugen, wie der Beitrag über Niklas Luhmann. Insgesamt vermitteln die zahlreichen "akademischen Häppchen" bei Schalk allerdings einmal mehr den Eindruck, die Kulturwissenschaften seien zwar reich an Ansichtserklärungen, Programmatiken und Antragsskizzen, aber arm an großen Studien und Monografien. Statt des "Endes der Bescheidenheit" votiert Schalk erst mal für eine gewisse Disziplinierung der Kulturwissenschaften, haben sie in einen Augen doch "allzu lange zügellos" dem "Abseitigen und Spekulativen" gefrönt.
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