Dieter Jähnig befasst sich seit dem Anfang der 1970er Jahre mit Burckhardt und legt hier eine Reihe sich wechselseitig ergänzender Besprechungen exemplarischer Perspektiven auf Burckhardts "Entdeckungen der Welt und des Menschen" vor. Die teils neu, teils erstmals publizierten, bei verschiedenen Gelegenheiten entstandenen Beiträge zur Burckhardt-Rezeption möchten, so wie sie hier ausgewählt und zusammengestellt sind - einerseits umfassender, andererseits aber auch kompakter als im Rahmen der anfänglichen Detailausbreitung-, ein Nebeneinander sein, das zugleich ein Ineinander ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2006
Eine philosophische Deutung der Kunst- und Geschichtsbetrachtung Jacob Burckhardts findet Barbara von Reibnitz in diesem Band, der teils schon früher veröffentlichte, teils erstmals publizierte Studien von Dieter Jähnig zusammenstellt. Sie attestiert dem Autor, die spezifische Verbindung von Burckhardts Geschichts- und Kunstbetrachtung herauszuarbeiten und deren Sonderstellung in den Geschichtswissenschaften des 19. Jahrhunderts zu erhellen. Burckhardts Leistung sehe Jähnig darin, dass er den "Maßstab der Geschichte als Maßstab für die Frage, was Kunst ist", ins Spiel gebracht habe. Dass Jähnig auf eine Auseinandersetzung mit aktueller Forschungsliteratur verzichtet, fällt für Reibnitz nicht wirklich negativ ins Gewicht. Den Gewinn der Studien sieht sie in der "Genauigkeit der Auslegung", die Burckhardts "Weltgeschichtliche Betrachtungen" in den Horizont einer philosophisch geschärften Aufmerksamkeit rücke .
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2006
Als Essenz jahrzehntelanger Forschungen würdigt Christine Tauber dieses Werk über Jacob Burckhardts Kunst- und Geschichtsbetrachtung, das Dieter Jähnig vorgelegt hat. Dem Autor gelingt es ihrer Ansicht nach, "ganz neue Einblicke" in Texte Burckhardts zu eröffnen. Gut gefällt ihr auch, wenn Jähnig am konventionellen Burckhardt-Bild rüttelt, etwa wenn er sich gegen die Auffassung wendet, Burckhardt sei ein rückwärtsgewandter Klassizist und Kulturpessimist gewesen. Auch Jähnigs Ausführungen zum vieldiskutierten Verhältnis von Burckhardt zu Hegel sowie seine Kritik am einseitigen Bild von Burckhardt als Modernitätskritiker haben Tauber überzeugt. Insgesamt findet sie bei Jähnigs fast ein postmodern differenziertes Bild Burckhardts, in dem Momente wie Alterität, Differenz, Heterogenität und Unfixierbarkeit eine große Rolle spielen.
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