Martin Andree

Archäologie der Medienwirkung

Faszinationstypen von der Antike bis heute
Cover: Archäologie der Medienwirkung
Wilhelm Fink Verlag, München 2005
ISBN 9783770541607
Kartoniert, 598 Seiten, 60,00 EUR

Klappentext

Woher rührt die universale Faszination an Medien, die sich gegen die Evidenz durchsetzt, dass Bilder, Texte und Filme nie mehr sein können als bloße Zeichen? Exakt aus dieser Irritation heraus muss der Frage, wie Medien wirken, zunächst ein warum vorangestellt werden: Warum also gelingt es den Zeichen, sich zur Suggestionskraft des Wirklichen aufzuschwingen? Und wie erzeugen Medien das Phantasma eines Mehrwerts, welches uns veranlasst, nicht Zeichen zu decodieren, sondern Stimmen zu hören oder an Gefühlen zu partizipieren? Anhand einer historisch breiten Materialanalyse unterschiedlicher medialer Faszinationstypen wird das Feld der Medienwirkungsforschung neu erschlossen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2006

Martin Andree beherrsche die Kunst, dem Leser mediale Wirkungen "anschaulich" und mit einem großen Wissenshintergrund zu beschreiben, lobt Rezensent Luca Di Blasi einerseits. Andererseits arbeite er mit einer von Derrida inspirierten Zeichentheorie, die keinen Unterschied zwischen Bild und Abbild mache. Ohne Differenz zwischen Zeichen und Bezeichnetem, einem Unterschied zwischen Medien- und Wirklichkeitswirkung, fragt der Rezensent irritiert und konsterniert zugleich, könne man von Trugbildern und ähnlichem aber doch gar nicht mehr sprechen. Diese wacklige Theorie habe die ansonsten aufschlussreiche Studie nicht verdient. Anhand von fünf "Faszinationstypen" wie Simulation und Geheimnis habe Martin Andree seine Darstellung gegliedert, wobei die Simulation das Bedürfnis nach Transzendenz des Medialen seiner Meinung nach besonders anschaulich zeigt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2006

Überaus instruktiv findet Rezensent Andreas Rosenfelder diese umfangreiche kulturgeschichtliche Untersuchung der Medienwirkung von der Antike bis heute, die Martin Andree vorgelegt hat. Rosenfelder begrüßt, dass der Autor die Faszination und emotionale Wirkung, die Kulturprodukte auf Menschen ausüben, - anders als in der Literatur- und Medienwissenschaft üblich - ernst nimmt und die vielfältigen Kurzschlüsse zwischen Kunst und Leben systematisch unter die Lupe nimmt. Wie er berichtet, gliedert Andree seine Untersuchung nicht chronologisch, sondern führt den Leser anhand verschiedener "Faszinationstypen" wie "Erlebnis" oder "Ursprung", durch zweitausend Jahre Medienwirkung in immer neuen Durchgängen. Dabei ziehe er bisweilen kühne Verbindungslinien, die zum Beispiel von Platon über Origines bis zum Splatterfilm reichen. Hier schießt nach Ansicht Rosenfelders gelegentlich über das Ziel hinaus. "Mehr Konzentration", so der Rezensent, "in der an Querverweisen überreichen Argumentation hätte nicht geschadet". Insgesamt aber wahre Andree die Balance zwischen gründlicher Quellenarbeit und feuilletonistischen Exkursen. Die Stärke dieser Arbeit sieht Rosenfelder darin, dass sie auf breiter Materialbasis mit der Fiktion eines selbstgenügsamen Kunstsystems aufräumt.

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