Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt. Solomon Farthing ist ein Edinburgh-Mann, ein Erbenjäger, der Angehörige von Toten aufspürt, die etwas hinterlassen haben. Menschen sind auf die seltsamste Weise miteinander verbunden, besonders in einer Stadt wie Edinburgh. Wenn also ein alter Soldat im Pflegeheim stirbt und im Futter seines Anzugs ein kleines Vermögen steckt, ist das ein Fall für Solomon Farthing. Nur dass dieser Fall ein großes Fass aufmacht: Was geschah wirklich im November 1918 in Nordfrankreich, als Captain Godfrey Farthing sich bemühte, seine kleine versprengte Truppe junger Männer lebendig durch die letzten Wehen des großen Schlachtens zu bringen - jenes Krieges, der alle Kriege beenden sollte?
Der Autorin Mary Paulson-Ellis ist es ein Anliegen, sich mit ihren Büchern denen zu widmen, die ohne Nachkommen und Verwandte sterben, lernt Rezensentin Katharina Granzin: Um so einen Fall dreht sich auch ihr neuer Roman. Im Fokus steht Solomon Farthing, ein Detektiv, der sich auf solche Fälle spezialisiert hat und durch einen verstorbenen Mann auf einmal an seinen Großvater und dessen Pfandleihhaus erinnert wird, berichtet Granzin. Auf die Spuren dieses Godfrey Farthing begibt sich sein Enkel nun, kleine und kleinste Erinnerungsobjekte bieten dabei Verbindungen zwischen den zwei Erzählebenen an, die zwischen der Vergangenheit des Großvaters und der Gegenwart seines Nachkommen changieren und für die Rezensentin viele Lücken lassen, die ihr den Raum geben, selbst zu sinnieren. Dass Paulson-Ellis' "literarische Forensik" ihrer Fantasie ermöglicht, sich zu entfalten, ist für sie äußerst lobenswert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.06.2023
Rezensentin Sonja Hartl gibt sich als Fan der Edinburgh-Krimis von Mary Paulson-Ellis zu erkennen. Entsprechend gespannt stürzt sich die Kritikerin auf den neusten Fall, der sie an der Seite des Erbenjägers Solomon Farthing ins Frankreich des Jahres 1918 führt: Eine Gruppe britischer Soldaten erwartete dort das Ende des Krieges, Jahrzehnte später stirbt der ehemalige Soldat Thomas Methven im Pflegeheim und hinterlässt 50.000 Pfund, aber keinen Erben, resümiert Hartl. Was zunächst ein wenig verworren klingt, knüpft die Autorin zu einem dichten und vergnüglichen Erzählnetz, staunt die Kritikerin, die sich schon auf Paulson-Ellis' nächsten Krimi rund um Edinburgh freut.
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