Monika Helfer

Die Bagage

Roman
Cover: Die Bagage
Carl Hanser Verlag, München 2020
ISBN 9783446265622
Gebunden, 160 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.03.2020

Tom Wohlfarth lauscht Monika Helfers Roman mit großem Genuss. Die Geschichte ihrer Großeltern im Vorarlberger Land erzählt Helfer laut Rezensent mit Sinn für das Märchenhafte, trotz Armut und Krieg, mit Zeitsprüngen und Verständnis für bleibende Spuren in der eigenen Familie. Eindringlich, feinsinnig lakonisch und berührend im Ton scheint Wohlfarth die von Helfer selbst eingelesene Hörfassung. Ein eindrücklicher Figuren- und Geschichtenkosmos auf so wenig Raum, staunt er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.02.2020

In den höchsten Tönen lobt Rezensent Michael Opitz  diesen Roman, in dem die österreichische Autorin Monika Helfer die Geschichte ihrer Familie erzählt. Im Mittelpunkt stehen Helfers Großeltern, die "überirdisch schöne" Großmutter Maria und der im Dorf gefürchtete Großvater Josef, der als Soldat im Ersten Weltkrieg dienen muss. Bald machen andere Männer Maria Avancen, das Gerücht, das geborene Kind - die Mutter der Erzählerin - sei nicht Josefs Tochter, macht bald die Runde. Wie Bagage vom Leben ihrer Großeltern erzählt, die wenigen eigenen Erinnerungen durch überlieferte "Bausteine" anreichert und über die eigene Herkunft nachdenkt, findet Opitz "dicht und klug komponiert" und dennoch flüssig zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2020

Rezensent Rainer Moritz hält Monika Helfers bis ins Jahr 1914 zurückgehende Familienerzählung für außergewöhnlich. Dass es Helfer gelingt, trotz mancher "herkömmlicher Motive" oder unnötiger Erzählstränge eine untergegangene Welt mit skurrilen Charakteren auferstehen zu lassen und von der Zähigkeit und Last der Vergangenheit zu berichten, scheint ihm bemerkenswert. Eine feine Konstruktion und ein unprätentiöser Ton lassen die Lektüre für Moritz zu einem kleinen Fest werden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.02.2020

Ulrich Rüdenauer lobt Monika Helfers autobiografisches Schreiben als große Kunst. Wie die Autorin die Geschichte ihrer Vorarlberger Großeltern ab 1914 erzählt, reduziert, plastisch, aus dem Eigenen schöpfend, aber der Literatur ihren Raum lassend, findet Rüdenauer bemerkenswert. Das laut Rezensent nicht als Heimatroman durchgehende Buch dreht sich um die über Generationen weitergegebenen Erfahrungen und Verwerfungen innerhalb einer Familie, weniger um das schwere Landleben. Dass Helfer weder aufklären möchte noch auf existenzialistische Schilderungen setzt, gefällt dem Rezensenten gut.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.02.2020

Die Rezensentin Cornelia Geißler scheint beeindruckt von der Erzählweise der österreichischen Schriftstellerin Monika Helfer im autofiktionalen Roman "Die Bagage". Helfer beschreibt darin die Spuren, die der Erste Weltkrieg in einem abgelegenen Tal in Österreich hinterließ und ergründet im selben Atemzug die Nachkriegswelt ihrer Großeltern. Trotz einer Erzählweise, die mit großen Zeitsprüngen so manchen irritieren mag, wird im Laufe der Geschichte Vertrauen zum Leser aufgebaut, findet Geißler. Eindrucksvoll setze sich die Autorin, dessen Ich-Erzählerin aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spricht, mit Erinnerungen ihrer Familie auseinander. Erst die Form des Dramas bringe eine Struktur in das Erinnerte, zitiert die Rezensentin aus dem Roman und beschreibt Helfers Erzählstil als "bestechend formale Idee".