Aus dem Englischen von Peter Torberg. "Du würdest unter dem zerbrechen, was ich über dich weiß, kleines Mädchen." Das sind die letzten Worte der Großmutter Linda Hammericks, und es bleibt ihr überlassen, herauszufinden, was damit gemeint war. Linda, Mitte der Siebziger Jahre in Boiling Springs, North Carolina, aufgewachsen und heute in New York lebend, hat eine Gabe, die sie vom Rest der Familie unterscheidet. Sie kann Wörter "schmecken", und an diese besonderen Wahrnehmungen heften sich zugleich ihre Erinnerungen. Aber ihre frühe Kindheit liegt im Dunkeln, geblieben ist ihr nur ein bitterer Geschmack im Mund, den sie keinem bestimmten Wort zuordnen kann. Schließlich begibt sie sich als erwachsene Frau zurück in den Süden auf die Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.09.2010
Monique Truong hat ihren neuen Roman "Bitter im Mund" gut geplant, findet Joseph Hanimann, doch an vielen Stellen laufe er leider ins Leere. So sei in dieser Familiengeschichte die Synästhesie der Ich-Erzählerin Linda zwar eine interessante Metapher für ihre Doppelherkunft (Linda wird in Saigon geboren, wächst aber in den amerikanischen Südstaaten auf). Doch letztendlich "wirbelt und gurgelt das Thema" zwischen zu vielen Nebenhandlungen vor sich hin, bedauert der Rezesent, und auch die um Lesefluss bemühte Übersetzung Peter Torbergs ändere nichts daran, dass es dem Buch an Spannungsdramaturgie fehle.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2010
Anja Hirsch zeigt sich äußerst angetan von Monique Truongs zweitem Roman über ein in Saigon geborenes Mädchen, das mit sechs Jahren zu Adoptiveltern nach Amerika kommt, und sie findet hier ganz offensichtlich auch überzeugende Antworten auf die Frage, wie sich von einem Leben fesselnd und berührend erzählen lässt. Linda hat ein Trauma zu verarbeiten und verfügt über die Eigenschaft, synästhetisch Worte zu schmecken, lässt die Rezensentin wissen. Ihre Biografie aber wird keineswegs chronologisch erzählt, vieles bleibt lange im Dunkeln und klärt sich erst spät auf in diesem Roman, so Hirsch. Lindas Welt erschließt sich über ihre sinnlichen Erfahrungen, stellt die Rezensentin fest, die beeindruckt ist, wie sich die kühle Sprache der Autorin immer wieder in "unvermutete" Schönheit und Sinnlichkeit weitet. Hier lobt sie auch ganz ausdrücklich Peter Torberg für seine Übersetzungsleistung, die diese Qualität ins Deutsche zu überführen vermag. Und wenn sich auch nur nach und nach Lindas Vergangenheit enthüllt, artet die Lektüre zu keiner Zeit in Mühe aus, sondern bleibt ein "großes Lesevergnügen", wie Hirsch lobt.
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