Mit Bildern von Philip Waechter. Mo ist Mo. Unberechenbar und unaufhaltsam. Er macht, was er will, und sagt, was ihm in den Kopf kommt. Mit ihm kann man Verrücktes erleben. Und manchmal wäre Karl gern so wie er, so sorglos, so ungehemmt. Oft aber nervt es ihn auch, sich um seinen Bruder kümmern zu müssen, der eine geistige Behinderung hat. Ständig ist er für ihn verantwortlich, gefühlte sieben Tage die Woche. Am liebsten möchte Karl sich freimachen von allem, einfach mit dem Rad durch die Gegend fahren. Oder Nida treffen, die er immer interessanter findet. Um sie zu sehen, lässt er Mo für ein paar Stunden allein. Als er nach Hause zurückkehrt, ist sein Bruder verschwunden …
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2023
Rezensentin Helena Schäfer hätte sich ein paar weniger explizite Botschaften gewünscht im Buch von Oliver Scherz über einen Jungen, der mit seinem kognitiv beeinträchtigten Bruder allerhand Abenteuer erlebt, aber auch überfordert ist. Wo der Spaß aufhört und die Verantwortung beginnt, arbeitet der Autor aber feinfühlig und stimmig heraus, findet sie, und die Beschränkung auf die Perspektive des die Arbeit eines Erwachsenen übernehmenden Kindes scheint Schäfer auch gut gewählt. So originell wie bei Karen-Susan Fessel findet die Rezensentin das Thema allerdings nicht behandelt.
Unaufgeregt, ohne Kitsch und gerade deshalb sehr echt schreibt Oliver Scherz über Karl und Mo, ein zweieiiges Zwillingspaar, lobt Rezensent Hartmut El Kurdi. Mo ist behindert, weshalb sein Bruder regelmäßig auf ihn aufpassen muss. Das führt manchmal zu brenzligen Situationen, aber die nehmen nicht den ganzen Roman ein, der vielmehr laut Kritiker eine gelungene Mischung mit ganz normalen Alltagsproblemen ist: Karls erstes Verliebtsein oder sein Wunsch, einfach mal nicht nur der Bruder von Mo zu sein, sondern ein eigenständiger Mensch, ist hier genauso wichtig, lobt El Kurdi. Sparsam, aber als tolle Ergänzung findet er auch die Illustrationen von Philip Waechter eingesetzt. Dies ist kein Buch über die Schwierigkeiten behinderter Menschen, sondern eines darüber, dass man jemanden lieben und trotzdem mit der Beziehung zu ihm manchmal überfordert sein kann, hält der angetane Kritiker fest.
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