In der vorliegenden Arbeit geht es um die ökumenisch zentrale und zugleich brisante Frage nach einer theologischen Verhältnisbestimmung des Rechtfertigungsbegriffes zum Begriff der christlichen Offenbarung. Angesichts der grundlegenden Bedeutung, die die Botschaft von der Rechtfertigung des Sünders `allein aus Gnade und Glauben` für das katholisch / reformierte Gespräch hat, ist eine Untersuchung ihrer Beziehung zu anderen im ökumenischen Dialog behandelten kontroverstheologischen Fragen der göttlichen Offenbarung auch katholischerseits notwendig und dringlich. Dazu wird der internationale anglikanisch / römisch-katholische Dialog herangezogen. Er ist im Vergleich zu anderen interkonfessionellen Dialogen der inhaltlich und vom Umfang her am weitesten fortgeschrittene. Die von ihm behandelten Themenbereiche des Einheitsbegriffes, der Eucharistie, des kirchlichen Amtes, der Autorität in der Kirche, der Rechtfertigung, der Kirche und der christlichen Ethik werden in dieser Studie chronologisch und systematisch untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2000
Unter Rekurs auf Begriffe aus Niklas Luhmanns Systemtheorie nimmt Rezensent Henning Ziebritzki die Ökumene-Diskussionen zwischen katholischer und anglikanischer Kirche, um die es in dem Band geht, als ein Beispiel für die Selbstreferenzialitität aber auch Unbestimmtheit gesellschaftlicher Systeme wie der Kirchen. Fasziniert berichtet er, mit Lünings "brillanter Studie" im Blick, wie solche Konsenspapiere formuliert werden, wie sie zu Kompromissformeln finden und wie sie entscheidende Differenzen zwischen Partnern eben durch "Unbestimmtheit" auszugleichen suchen. Dabei stimmt er Lüning zu und fordert eine neue Konsenskultur in solchen Gesprächen, die den jeweiligen absoluten Wahrheitsanspruch der Partner nicht unterschlage, sondern zu einem "differenzierten Konsens" findet. Ziebritzki lobt Lüning ganz besonders dafür, dass er ein "effektives hermeneutisches Instrumentarium" gefunden habe, um solche sehr spezifischen Texte zu lesen.
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