Die Europa-Idee, die in den Nachkriegsjahren wirksam war, ist heute verdunstet. Diese Idee war stark geprägt vom Christentum, dem der alte Kontinent seine geistige Einheit verdankt. Die Institutionen des Christentums sind dabei konkurrierenden Interessen ihrer Mitglieder ausgesetzt, verlieren deren Zustimmung in unterschiedlicher Weise und haben das konfliktträchtige Potential ihrer konfessionellen Vielfalt noch nicht ganz überwunden. Daneben haben sogenannte fundamentalistische Richtungen innerhalb traditioneller Weltreligionen - in Europa außer dem Christentum auch das Judentum und der Islam - regen Zulauf.
Der Band hinterfragt die traditionelle Rolle religiöser Werte für die Union, ihre Transformation in der Geschichte und behandelt ihre Gegenwart und Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.08.2018
Rezensent Joachim Frank bedauert das der von Otfried Höffe und Andreas Kablitz
herausgegebene Sammelband aus der Schriftenreihe des Arbeitskreises Europa
der Fritz-Thyssen-Stiftung nicht alle Manuskripte des Symposiums von 2014
versammelt. Auf muslimische Perspektiven muss der Leser u.a. leider
verzichten, stellt Frank fest, wenngleich die Herausgeber keine Schuld
trifft, wie er meint. "Unrund" erscheint ihm der Band jedenfalls, wenn das
Wechselverhältnis von Säkularisierung und religiöser Vitalisierung im 19.
Jahrhundert nachgezeichnet wird, vorhergehende Epochen aber nicht behandelt
werden. Die übrigen Texte bieten Frank Erhellendes, vor allem Höffes
Einleitung.
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