Während der Bezug auf Semiotik, Diskurstheorie und Dekonstruktion in vielen Geisteswissenschaften längst zu den intellektuellen Selbstverständlichkeiten gehört, steht der "linguistic turn" in der Geschichtswissenschaft immer noch im Verdacht, den Historikern den Sinn für die Wirklichkeit zu rauben. Führende Vertreter des Fachs wähnen sich "am Rande es Abgrunds", befürchten "das Ende der Geschichte als Wissenschaft" und verfassen eine "Defense of History". Im neuen Buch von Philipp Sarasin wird diese äußerst polemisch geführte Debatte über die Grundlagen der Geschichtswissenschaft aufgenommen. In acht zum Teil noch unveröffentlichten Aufsätzen werden die erkenntnistheoretischen Grundlinien einer diskursanalytischen Geschichtsschreibung geprüft und ihre Möglichkeiten im Feld der Kulturgeschichte empirisch ausgelotet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2003
Als Plädoyer für eine Geschichtswissenschaft, die sich als Kulturgeschichte versteht und zugleich Momente der Diskursanalyse fruchtbar macht, liest der "lx." zeichnende Rezensent vorliegenden Band, der eine Reihe von Aufsätzen des in Zürich lehrenden Historikers Philipp Sarasin versammelt. Sarasin geht davon aus, so "lx.", dass der "Eigenlogik" des überlieferten Materials quellenkritisch nicht beizukommen ist, da die Art der Darstellung selbst geschichtsrelevant sei. Wer die Vergangenheit analysiere, könne sich zwar nicht von den Daten lösen. Gleichwohl widerspreche die Vorstellung, die Quelle könne "objektiv" aus dem Reich der Fakten und Ereignisse herauspräpariert werden, dem Wesen der menschlichen Neugierde, die Daten immer mit Geschichten verbinde, referiert "lx." Das Ergebnis sei dennoch kein beliebiges "postmodernes" Spiel von Texten. Davon könne sich der Leser in Sarasins jüngstem Aufsatz überzeugen, der die Figur des "verrückten Wissenschafters" in der Populärwissenschaft untersucht.
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