Przemek Zybowski

Das pinke Hochzeitsbuch

Roman
Cover: Das pinke Hochzeitsbuch
Luchterhand Literaturverlag, München 2022
ISBN 9783630876887
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Am Totenbett seiner Großmutter wird der Erzähler von seiner verloren geglaubten Vergangenheit eingeholt: 1984, kurz nach Lockerung des Kriegsrechts in Polen, fliehen die Eltern mit der kleinen Schwester heimlich nach Deutschland. Der achtjährige Sohn bleibt als Pfand bei der Großmutter zurück. Eine Zeit unerhörter Freiheit und zugleich großer Panik beginnt: Er wird von der Geheimpolizei verhört, ihm droht das Waisenhaus - erst ein Jahr später bekommt er die notwendigen Ausreisepapiere. Doch auch Jahrzehnte danach sind die Wunden nicht verheilt. Kann es eine Versöhnung mit den Eltern geben?Schwebend leicht und doch mit existenzieller Wucht erzählt Przemek Zybowski in seinem Romandebüt von Diktatur, Flucht und einem Leben zwischen den Welten. "Das pinke Hochzeitsbuch" handelt von der Verlassenheit eines Jungen, die zugleich die Verlassenheit eines ganzen Landes ist - und von dem Versuch, die Bruchstücke der Vergangenheit zusammenzufügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2022

Rezensent Jörg Plath hat nur wenig auszusetzen an Przemek Zybowskis Debütroman. Vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte erzählt Zybowski vom siebenjährigen Anhelli (später Markus), der von seinen in die BRD flüchtenden Eltern zurückgelassen wird und ihnen Jahre später, nachdem er selbst in der BRD Arzt geworden ist, wiederbegegnet. Der historische Hintergrund, ein starkes ProtagonistInnenpaar, nämlich Anhelli und seine Großmutter Babcia, sowie der Hang zum Fantastischen des verschlossenen Anhelli - das alles hält Plath schonmal für eine erfolgsversprechende Anlage; und ihm gefällt auch gut, wie Zybowski mit der Chronologie von Ereignissen spielt und mit manch unerwarteten fantastisch-magischen Einsprengseln aufwartet. Einzig die "Verknüpfung der familiären Schuldgefühle mit den historischen" überzeugt ihn nicht: Dass durch die Flucht der Eltern in die BRD statt in die USA Schuldgefühle bei ihrem Sohn geweckt werden sollen, erschließt sich dem Kritiker nicht. Ansonsten sei das Debüt aber durchweg "gut erfunden", lobt Plath.
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