Rüdiger Safranski

Kafka

Um sein Leben schreiben
Cover: Kafka
Hanser Berlin, Berlin 2024
ISBN 9783446279728
Gebunden, 256 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Ich habe kein litterarisches Interesse, sondern bestehe aus Litteratur, ich bin nichts anderes und kann nichts anderes sein", schrieb Franz Kafka an seine Verlobte Felice Bauer. Das Schreiben war seine Existenz, die ihm mehr bedeutete als ein vollendetes Werk. Rüdiger Safranski beobachtet Franz Kafka beim Schreiben, um den Geheimnissen seiner Texte näher zu kommen. In dessen Briefen liest er von den Augenblicken des Glücks, die Kafka am Schreibtisch erlebt, und von Momenten, in denen ihm die Welt vollkommen fremd erscheint. Versteht man Kafkas Bücher als Zeugnisse solcher Grenzerfahrungen, entfalten ihre Geheimnisse eine ganz unmittelbare Kraft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2024

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke schöpft kurz Hoffnung, dass Rüdiger Safranskis Buch über Kafka mehr zu bieten hat als die zahlreichen Formen der werkverzerrenden "Verwurstungen", die gerade im Todesjahr des Jahrhundertschriftstellers lächerliche Ausmaße annehmen, so Maidt-Zinke. Denn im Vorwort des "Altmeisters" der Biografie-Form (die im Falle Kafkas nur eben schon mehr als erledigt sei) komme Safranski vielversprechenderweise auf die Urszene von Kafkas literarischem Dasein zu sprechen, in der dieser quasi selbst den "Dreh- und Angelpunkt" liefere, entlang dem sich sein Werk poetologisch analysieren ließe: die Deutlichmachung der Schwere des Lebens bei gleichzeitiger Versetzung der Leserschaft in eine Art "Schwebe", wie die Kritikerin Kafka wiedergibt. Genau dieses Programm in den Werken sprachlich nachzuweisen, hätte für Maidt-Zinke ein tatsächlich neuer Beitrag zur Kafka-Forschung werden können - aber leider verschenke Safranski diese Chance dann doch zugunsten der altbekannten Kafka-Analysepfade und biografischer Werkexegese. Als einen Verdienst des Buches hält sie Safranskis (wenn auch vertiefungswürdige) Betonung der bisher noch weniger beleuchteten philosophischen Dimension von Kafkas Prosa fest. Ein ambitioniertes, gut lesbares, aber leider nur in Teilen wirklich gewinnbringendes Buch, urteilt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.02.2024

Rezensent Helmut Böttiger hält Rüdiger Safranski zugute, dass er mitunter weniger Bekanntes über Kafka ans Tageslicht holt, etwa Briefstellen von Milena Jesenska, die belegen, wie gut sie Kafkas Innenleben kannte. Insgesamt aber scheint es Böttiger, als wärmte Safranski in seiner biografischen Skizze vor allem Bekanntes auf meist gut geraffte Weise auf. Neben manchmal zu lang geratenen Inhaltszusammenfassungen entdeckt Böttiger  eine weitgehend überzeugende Quellenauswahl und "schlüssige Erkenntnislinien".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2024

Rüdiger Safranskis Buch über Franz Kafka, das keine Biographie sein will, widmet sich Rezensent Tilman Spreckelsen zufolge der Bedeutung des Schreibens für Leben und Werk des Autors. Ein viel beackertes Feld, meint Spreckelsen, Safranski steuert unter anderem Überlegungen zu einem Tagebucheintrag Kafkas über den Zeichner und Tucholsky-Freund Kurt Szafranski sowie zum Briefwechsel des Autors mit seiner späteren Verlobten Felice Bauer bei. Grundsätzlich beschreibt Safranski, wie Kafka sich von der Außenwelt abgrenzt und schreibend zu sich findet, eine Perspektive, die Spreckelsen nur halb einleuchtet. Gern liest der Rezensent die Passagen, in denen Safranski Kafkas Werke ausdeutet, Kritik übt er hingegen an Rechtschreib- und Grammatikfehlern.

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