Sepp Mall

Ein Hund kam in die Küche

Roman
Cover: Ein Hund kam in die Küche
Leykam Buchverlag, Graz 2023
ISBN 9783701182862
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Eine Familie aus Südtirol entscheidet sich 1942 im Zuge der "Option" für die Auswanderung ins Deutsche Reich. Der 11-jährige Ludi erzählt von den letzten Tagen im Dorf und der ersten Station im Deutschen Reich: Innsbruck. Auf Anweisung der Ärzte muss sein behinderter Bruder Hanno in eine Anstalt bei Hall gebracht werden. Die restliche Familie zieht weiter nach Oberösterreich. Der Vater wird in die Wehrmacht eingezogen und auch Hanno kehrt nicht mehr zurück. Ein Brief aus einer "Heil- und Pflegeanstalt" des Reiches ist alles, was der Familie von ihm bleibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2023

Tief bewegt liest Rezensent Hannes Hintermeier diesen Roman des in Meran lebenden Schriftstellers Sepp Mall, der vom Schicksal der Südtiroler erzählt, die sich Ende der Dreißigerjahre zwischen der Übersiedlung ins "Deutsche Reich" oder der Zwangsumsiedlung nach Süditalien entscheiden mussten. Der Kritiker folgt einem zunächst elfjährigen Ich-Erzähler, dessen Familie sich für die Übersiedlung entscheidet. Schon bald wird der jüngere Bruder Hanno, der sprachlich und körperlich behindert ist, von der Familie getrennt und in ein Heim zu "Untersuchungen" geschickt. Später bekommen die Eltern per Brief den Tod des Sohnes mitgeteilt. Mall muss nicht mal das Wort "Euthanasie" aussprechen, so schlank und genau vermag er zu erzählen, staunt der Rezensent, der in jeder Zeile das Elend jener Jahre spürt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.08.2023

Schockiert und berührt ist Kritikerin Katharina Teutsch nach der Lektüre dieses "taktvollen wie rohen" Buches von Sepp Mall, der über eine Südtiroler Familie im Jahr 1942 schreibt. Die soll sich entscheiden, ob sie künftig zu Italien gehören oder "heim ins Reich" kommen will, sie wählt letzteres, das bedeutet aber, dass der behinderte Sohn Hanno in die Psychiatrie kommt - was das heißt, ahnen Mutter, Vater und der elfjährige Protagonist Ludi noch nicht, wohl aber Teutsch. Hanno wird Opfer des Euthanasieprogramms: eine Katastrophe als "Folge einer fundamental falschen Familienentscheidung". Am Ende kehrt man wieder nach Südtirol zurück. Dass sowohl dort als auch in der Familie alles anders ist, macht die starke Wirkung des Romans aus, urteilt die sehr beeindruckte Kritikerin.

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