Aus dem Englischen von Henning Dedekind und Elsbeth Ranke. Zum ersten Mal erzählt: das Schicksal deutscher Künstler in Churchills InternierungslagernIm Mai 1940 ließ Winston Churchill alle männlichen Deutschen und Österreicher zwischen 16 und 60 Jahren als "feindliche Ausländer" internieren. Die Flüchtlinge waren den Nazis gerade entkommen und wurden nun auf die Isle of Man zwischen Irland und England verbannt. Das Hutchinson Camp wurde daraufhin zu einem kreativen Zentrum, in dem einige der begabtesten Denker, Schriftsteller, Musiker und Künstler des 20. Jahrhunderts lebten - unter ihnen Dadaist Kurt Schwitters.Der preisgekrönte Historiker Simon Parkin beleuchtet zum ersten Mal dieses ungewöhnliche Kapitel des Zweiten Weltkriegs.
Einem wenig beachteten Kapitel britischer Geschichte widmet sich Journalist Simon Parkin, wie sich Kritiker Klaus Hillenbrand freut: Winston Churchill hatte nach Kriegsausbruch beschlossen, deutsche und österreichische Geflüchtete in Lagern zu internieren, aus Angst, Großbritannien könnte von Nazis infiltriert werden. Einer dieser Inhaftierten ist der Jude Peter Fleischmann, der mit einem Kindertransport nach England flüchtete, im von Künstlern und Kreativen dominierten Lager Hutchinson Camp inhaftiert und später als Übersetzer in den Nürnberger Prozessen tätig war. Ab 1941, so erfahren wir, regt sich zunehmend Widerstand, die Gefangenen werden freigelassen. Gut, dass sich Parkin dem Thema angenommen hat, lobt Hillenbrand, ihm stoßen aber einige stilistische und inhaltliche Fehler sauer auf, die für ihn die Glaubwürdigkeit des Buches doch beeinträchtigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2023
Rezensent Rüdiger Görner liest Simon Parkins Darstellung des Lebens deutscher Künstler im britischen Lager Hutchinson auf der Isle of Man mit Spannung. Dass der Autor den Fokus auf das Erleben eines jungen deutschen Internierten und Mitgefangenen von Kurt Schwitters und Ludwig Meidner legt, erscheint Görner sinnvoll. Dem wenig erforschten Schicksal der im Ersten Weltkrieg in Hutchinson Internierten verleiht das laut Görner Unmittelbarkeit und Authentizität. Den Ruf des Lagers als eines der Wissenschaftler und Künstler kann Parkins laut Rezensent bestätigen. Umso befremdlicher wirkt auf Görner, dass der Autor die Unterschiede zu den KZs in Nazi-Deutschland nicht deutlicher herausarbeitet. Davon abgesehen gelingt dem Autor ein anschaulicher Lagerbericht, so Görner.
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