Wie haben deutsche Historiker zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs die französische Geschichtswissenschaft aufgenommen und bewertet? Dieser Frage geht S. Kaudelka in dieser Untersuchung nach, die zugleich deutsche Forschungen zur Geschichte des Nachbarlands in der Zwischenkriegszeit thematisiert. Trotz unterschiedlicher nationaler Historikerkulturen lässt sich das Beziehungsspektrum nicht auf ein einfaches Gegensatzdenken reduzieren. In der spannungsreichen Beschäftigung mit der Geschichtswissenschaft des "Erbfeinds" lassen sich ebenso heimliche Faszination und produktiver Dialog feststellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.08.2003
Während die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen bestens erforscht ist, fristete die Geschichte der Geschichtswissenschaft bis vor kurzem eher ein Schattendasein, weiß Rezensent Christian Jostmann. Mit seiner Dissertation "Rezeption im Zeitalter der Konfrontation" positioniert sich Steffen Kaudelka nach Ansicht Jostmanns nun "nicht ungeschickt" an der "Schnittstelle von Tradition und Trend": in vier Fallstudien geht Kaudelka darin der Frage nach der Wahrnehmung der französischen Geschichte und Geschichtswissenschaft im Deutschen Reich von 1920 bis etwa 1940 nach. Nach einem Vergleich zweier Überblicksdarstellungen zur deutsch-französischen Beziehungsgeschichte untersucht Kaudelka die Rezeption Marc Blochs in Deutschland, um dann das Werk der Historikerin Hedwig Hintze zu rehabilitieren, berichtet Jostmann. Es ist das "vielleicht größte Verdienst" Kaudelkas, so Jostmann, dass er Historiker würdigt, die sich auch nach 1918 für die deutsch-französische Verständigung einsetzten, eben Außenseitern wie Heinrich Sproemberg und Hedwig Hintze. Insgesamt gelingt es Kaudelka, das Bild zweier antagonistischer Geschichtskulturen in Frankreich und im Deutschen Reich zu differenzieren, hält Jostmann fest.
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