Die historische Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und Gewalt in der Frühen Neuzeit steht noch ganz am Anfang. Auf detaillierten Archivrecherchen beruhend, geht diese Studie Sexualdelikten im Jesuitenorden nach, die an Schülern, Studenten, Beichtkindern und anderen Jesuiten verübt worden sind. Dabei werden Muster von sexueller Gewalt deutlich, die sich auf spirituelle Bereiche ausdehnten, aber von den Ordensoberen nur in Extremfällen geahndet wurden. Dieser Ansatz ermöglicht es, ein neues Licht auf die Geschichte jesuitischer Bildungs- und Seelsorgeeinrichtungen zu werfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2024
Der katholische Theologe Ulrich L. Lehner hat mit "Inszenierte Keuschheit" eine umfassende und notwendige Studie zu Fällen sexuellen Missbrauchs im Jesuitenorden des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts vorgelegt, befindet Rezensent Andreas Bähr. Ausgehend von eingehenden Analysen historischen Materials kann der Autor zeigen, dass sexueller Missbrauch nicht allein ein modernes Problem in der katholischen Kirche ist, sondern bereits in Mittelalter und Früher Neuzeit System hatte. Da antijesuitische Propaganda im Quellenmaterial eine unvoreingenommene Analyse behindert, konzentriert sich Lehner vor allem auf Dokumente jesuitischer Orden selbst, allen voran Akten der Oberdeutschen Provinz des Ordens im Hauptstaatsarchiv München. Fälle sexuellen Missbrauchs werden daran vorrangig durch die Dokumentation der meist allzu milden Strafen - in der Regel wurden straffällig gewordene Ordensmitglieder nur entlassen oder gar versetzt - ersichtlich. Obwohl sich anhand von Lehnerts Studie einiges über das frühneuzeitliche Verhältnis von Kirche, Staat und Recht lernen lasse, bemängelt Bähr, dass sein Untersuchungsgegenstand bisweilen unklar sei: So behandle der Autor auch Orientierungen und Praktiken, die zwar für die Kirche strafwürdige Delikte, jedoch kein gewaltsames Handeln darstellten, vor allem Homosexualität. Auch die zahlreichen orthographischen Fehler und stilistischen Fehlgriffe, die das Buch trotz des Lektorats enthalte, stören den Rezensenten. Für lehrreich hält er Lehnerts Studie dennoch.
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