Die Fortsetzung des "Opernführers für Fortgeschrittene" von Ulrich Schreiber widmet sich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie schon in den ersten beiden Bänden wird der musikästhetische Rang der vorgestellten Opern vor dem Hintergrund der Musik- und Ideengeschichte dargestellt - in diesem "dramatischen" 20. Jahrhundert aber notwendigerweise mit besonderer Akzentuierung der politischen Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.01.2007
Mit hohem Lob bedenkt Rezensent Hans-Klaus Jungheinrich auch den nun vorliegenden finalen Band von Ulrich Schreibers Opernführer. Der umfangreiche Band glänzt seines Erachtens durch Übersichtlichkeit, Fachkenntnis und spannende Darstellung. Über die bekannten und weniger bekannten Opern hinaus findet Jungheinrich darin auch wahrlich entlegene Opern kenntnisreich vorgestellt. Er schätzt Schreibers Stil als "fesselnd" und "konzentriert-unumschweifig", die musikanalytischen Bemerkungen als "zuverlässig" und "klar verständlich". Auch bescheinigt er dem Autor, Korrespondenzen über weite zeitliche Distanzen hinweg herzustellen und damit ein "dichtes Gewebe von intellektuellen Bezügen" entstehen zu lassen. Zudem hebt er Schreibers Insistieren auf dem Kunstwerkcharakter der Oper hervor. Berechtigt scheint Jungheinrich insofern auch die Abgrenzung zur kommerziellen aktuellen Musiktheatralik wie dem Musical. Insgesamt würdigt er Schreibers Opernführer als "Lebenswerk", das Bewunderung verdient hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2007
Lebensleistung, Meisterleistung! jubelt der Rezensent. Die von Udo Bermbach gewürdigten Details des abschließenden Bandes von Ulrich Schreibers Operngeschichte lassen sich kaum unterbringen. Entsprechend der Monumentalität des Werkes greift Bermbach weit aus und greift tief in die Kiste mit den Superlativen. So viel ist sicher, meint Bermbach: Das hat Bestand. Dem jetzt vorliegenden Band über die Entwicklung des Musiktheaters in Ost- und Nordeuropa im 20. Jahrhundert bescheinigt er dabei die gleichen Vorzüge wie dem gesamten auf fünf Bände angelegten Unternehmen: Eine schier unüberbietbare Breite der Betrachtung (kein "Opern-Eurozentrismus"), bestechende Methodik und Genauigkeit (bei der "harmonischen und strukturellen Analyse"), die Fähigkeit, dem Leser historische und kulturelle Zusammenhänge zu erschließen, sowie eine Klarheit des Ausdrucks, die Bermbach das Buch auch dem Laien ans Herz legen lässt. Von jeder Seite scheint dem Rezensenten die Begeisterung des Verfassers für sein Sujet entgegen zu strahlen. Dass der Leser nicht mit jedem "Einzelurteil" Schreibers übereinzustimmen braucht, ist für Bermbach angesichts dessen so selbstverständlich wie nebensächlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2001
Die kleine Zusatzbezeichnung "Opernführer für Fortgeschrittene" muss man nach Ellen Kohlhaas durchaus ernst nehmen. Als ebenso "anregend" wie "anstrengend" bezeichnet sie den nunmehr dritten Band von Schreibers Operngeschichte, der das 20. Jahrhundert bis zum Ende des Faschismus abdeckt. Schreiber verfahre nach einer Doppelstrategie: einerseits präsentiere er Raritäten, die teilweise erst jetzt wieder in Spielplänen auftauchten, andererseits erfasse er den Kanon nicht in gängiger Manier, sondern gehe auf den ideengeschichtlichen Zusammenhang ein und fördere neue Bezüge zutage. Begeistert zeigt sich Kohlhaas von Schreibers unkonventionellem Blick, der gegen "überlieferte Klischees" und "ideologische Falschmünzerei" gefeit sei, so auch im "Fall Pfitzner". Die Komponisten, denen eigene Kapitel gewidmet sind, heißen Strauss und Puccini; letzteren ordnet Schreiber, Kohlhaas' Meinung nach zu Recht, dem 20. Jahrhundert zu und spürt dessen Bestrebungen zur Atonalität nach.
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