Ulrike Draesner

Nibelungen. Heimsuchung

Cover: Nibelungen. Heimsuchung
Philipp Reclam jun. Verlag, Ditzingen 2016
ISBN 9783150110058
Gebunden, 132 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Die kraftvollen Jugendstil-Illustrationen des Wiener-Werkstätte-Künstlers Carl Otto Czeschka von 1908 sind legendär: Sie gelten als absolutes Spitzenwerk der Buchillustration, gehören zu den bekanntesten Jugendstilkunstwerken. Bei ihrer Erstausgabe waren diese einzigartigen Bilder mit einer eher unerheblichen Nacherzählung der Nibelungensage kombiniert. Für diese opulent ausgestattete Neuausgabe der Heldensage wurde die Dichterin (und promovierte Altgermanistin) Ulrike Draesner gebeten, ihre eigene, höchst persönliche Nibelungen-Version zu schreiben. Dabei ist ein Zyklus moderner Lyrik um den Nibelungenschatz entstanden, in dem Ulrike Draesner das Geschehen durch die Subjektivität der vier Protagonisten hindurch in Klang und Stimme bannt: es sprechen Kriemhild, Siegfried, Brunhilde und schließlich Hagen. Einen Epilog liefern Kriemhilds Söhne mit einem Nibelungen-Computerspiel, bevor sich die Stimme einer Erzählerin und Dichterin selbst zu Wort meldet: "Immer wieder vergesse ich...", was alles im Nibelungenlied geschieht. "Das Lied erzählt mir: Es gibt Lebenslagen, da fährt, was du liebtest und verlorst und noch liebst, unverhofft, unerwartet, erschreckend und schön, durch die Luft auf dich zu. Das vergesse ich nicht."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016

Rezensent Tilman Spreckelsen gefällt vor allem die Offenheit an Ulrike Draesners Annäherung an die Nibelungen. Dass die Autorin sich mit Gedichten und Kurzessays des Stoffes annimmt und ihn variiert, ohne sich und den Leser auf eine einzige Deutung festzulegen, scheint ihm bemerkenswert und der Vielschichtigkeit des Textes gemäß, so wenn Draesner eher auf den Möglichkeitssinn der Akteure abhebt, denn auf die Schicksalshaftigkeit von Siegfrieds Tod. Laut Spreckelsen versucht die Autorin alles andere als eine Nacherzählung, sondern wirft mit ihren Gedichten Schlaglichter auf einzelne Szenen des Liedes, vor allem auf die Figur des Hagen, nimmt die alten Bilder auf und setzt sie neu zusammen und betont durchaus das, was den heutigen Leser vom Stoff trennt, indem sie das Innenleben der Protagonisten ausstellt, wie der Rezensent erläutert. Die Kenntnis der Vorlage scheint Spreckelsen für das Verständnis der Gedichte allerdings mehr als hilfreich.

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