Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.10.2009
Schwer beeindruckt ist Rezensent Samuel Moser von Urs Jaeggis Roman "wie wir". Fast 20 Jahre hat der Schweizer Autor keine literarischen Texte mehr produziert, sondern sich vor allem als Bildhauer und Maler betätigt, wie der Rezensent mitteilt. In "wie wir" legt der bald Achtzigjährige nun aber keineswegs ein erfahrungsgesättigtes Alterswerk vor, sondern unternimmt einen echten Vorstoß in "ungesichertes Neuland", so der Rezensent bewundernd. Die Gattungsbezeichnung "Roman" soll wahrscheinlich lediglich den Zusammenhang der Kapitel verbürgen, vermutet der Rezensent, der in dem Buch eine "verwirrende Polyphonie" ausmacht. In einer Art Triptychon arrangiert Jaeggi eine "negative Utopie" in einer düster-abstrakten Parabel, beschreibt er eine Reise nach Australien, die zugleich eine Rückkehr ins Leben eines Ich-Erzählers nach schwerer Verletzung ist, und begibt sich schließlich in eine offene Irrenanstalt im Toskanischen "Vol Terra", um dort den wundersam wortlosen Dialogen eines Paares zu lauschen, erzählt Moser. Er ist vollkommen hingerissen von den bildmächtigen, lebendigen Schilderungen. In diesem "zärtlichen, rebellischen, nachdenklichen" Text findet er nicht die Darstellung reichen Lebens, "es ist Leben", versichert er.
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