Ursula Fricker

Fliehende Wasser

Roman
Cover: Fliehende Wasser
Pendo Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783858425751
Gebunden, 170 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Mit achtzehn verliebt sich Simon in den Verlobten einer Bekannten. Statt seiner Neigung nachzugeben, tut er, was von ihm erwartet wird: Heirat, zwei Kinder, Fabrikarbeit. Durch Zufall gerät er an die Schriften einer Lebensreformbewegung, die durch Verzicht totale Gesundheit verspricht. Kompromisslos muss die Familie die Regeln befolgen. Ida ist hin-und hergerissen zwischen Loyalität und Verrat. Bis sie Gott bittet, den Vater doch endlich fortzunehmen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2004

Etwas verhalten äußert sich Sabine Doering über Ursula Frickers Debütroman "Fliehende Wasser", dem sie den "spröden Charme einer sozialpsychologischen Studie" bescheinigt. Nichts in diesem Roman über ein überaus fades, unglückliches Familienleben in der beengten Welt des Schweizer Kleinbürgertums in 1960er Jahren vermöge zu überraschen, moniert die Rezensentin. Alle Personen handelten so, "wie es ihre Herkunft und die Prägung durch das familiäre Umfeld erwarten lassen." In einer der Hauptfiguren des Romans, dem Silberschmied Simon Brock, der seine homosexuelle Neigung unterdrückt und dafür Frau und Kinder terrorisiert, sieht Doering ein "Musterbeispiel jenes autoritären Charakters", den die Soziologen der siebziger Jahre ausführlich beschrieben haben. Anerkennend äußert sich Doering über Frickers erzählerisches Können und ihre Formbewusstsein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2004

Einer "Bildhaftigkeit von quälender Wucht" sah sich Beatrice Eichmann-Leuchtenegger bei der Lektüre Ursula Frickers Roman über die destruktive Kraft ungelebten Lebens ausgeliefert. Die Autorin entwirft in ihrem Debut eine Familiengeschichte über drei Generationen, die für die vierköpfige Familie Simon Brocks eine zerstörerische Entwicklung nimmt, weil es dem Protagonisten am Willen - oder auch am Mut - zum entscheidenden Handeln gebricht. Seine Fügsamkeit und Anpassung an die Konvention, seine verleugnete Homosexualität und sein unerfüllter Wunsch nach einer eigenen Silberschmiede verwandeln ihn allmählich einen Tyrannen, treiben ihn später in die Flucht und zuletzt in den Tod. Der Stoff habe dabei ein solches Gewicht, dass es der voluminösen Schilderung der familiären Vorgeschichte eigentlich nicht bedurft hätte, findet unsere Rezensentin, es sprenge sogar "den Rahmen dieses dichten schmalen Buchs". Ansonsten aber zeigt sich Eichmann-Leutenegger beeindruckt von Frickers narrativer Präzision und ihrer "disziplinierten" Distanz , aus der sie die peinvollen Ereignisse dem Leser vor Augen führt.

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