Die Motorisierung des Individualverkehrs war nicht nur mit einem Zugewinn an Freiheit und Effizienz verbunden, sondern führte bereits vor der massenhaften Verbreitung des Autos zu Konflikten und Widerständen. Uwe Fraunholz beschreibt und untersucht diesen teilweise gewalttätigen Widerstand, der sich vor allem auf dem Land manifestierte und erst in der Weimarer Republik abflaute. Deutschland beschritt in diesem Modernisierungsbereich keinen Sonderweg. Überall provozierte die zunehmende Verbreitung des Automobils den gewalttätigen Unmut der Nicht-Motorisierten. Doch die Abneigung war nicht grundsätzlicher Natur: Nirgends wurde Autofeindschaft zum Massenphänomen. Und mit dem zunehmenden Angebot auch für weniger betuchte Käufer geriet der Protest gegen das Auto zur Episode.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2003
In seiner Studie widmet sich Uwe Fraunholz dem massiven Widerstand, der dem Automobil Anfang des 20. Jahrhunderts entgegenschlug, berichtet der "uha" zeichnende Rezensent. So schildere Fraunholz, wie man besonders auf dem Land die lärmenden, viel Staub aufwirbelnden Vehikel mit Steinen und Mist bewarf und mit über die Straßen gespannten Seilen zum Stehen brachte. Der Rezensent sieht diese antiautomobilen Proteste in der Tradition des "Sozialrebellentums", das in der Frühneuzeit vom rücksichtslosen Jagdvergnügen des Adels provoziert worden war. Gerade vor diesem Hintergrund hält es der Rezensenten dann aber nicht für einleuchtend, die ersten Autofeinde "modernisierungsgeschädigt" zu nennen - insbesondere da der antiautomobile Widerstand verebbt sei, als der Personenwagen für breite Schichten erschwinglich wurde.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…